E122H

18.9.2019 Drevernos

Zum Frühstück grüsst die Heizung mit „E122H“ und nach Neustart mit „E212H“ auf dem Display.

Erste Vermutung, Gastank leer. Nachts war die Heizung angesprungen, es wird langsam herbstlich. Über den Sommer ist die Routine „regelmässige Kontrolle der Tankfüllung“ eingeschlafen. Kochen und Kühlschrank verbrauchen wenig Gas, da verliert die tägliche Betrachtung eines kaum veränderten Manometers im Gaskasten schnell die Spannung.

Kurische Nehrung

Doch die erste Vermutung mit dem Gasbestand als Ursache verträgt sich erst mal wenig mit der dampfenden Kaffeetasse vor mir, dem kochenden Wasser fürs Frühstücksei und dem laufenden Kühlschrank. Nur der angenehm warme Luftstrom unter der Sitzbank fehlt.

Die Liste mit den Fehlercode-Erläuterungen hängt entgegen guter Vorsätze immer noch nicht ausgedruckt im Ordner, muss erst im iPad gesucht werden. „Niedriger Gasdruck“ ist eine der angebotenen Ursachen.

Frühstücksunterbrechnung, Ausflug zur Hecktür, Gaskasten auf, Taschenlampe an, Gasfüllung bei 10%. Frühstück fällt heute sehr kurz aus, die nächste Gastanke findet die LPG-app 13 Kilometer weiter.

Alles Luxusprobleme. Auf dem nebenan liegenden Wikingerschiff gab es kein Dach, keine Heizung, Dusche, Frühstückseier und Morgenzeitung.

Mit neuer Tankfüllung verschwinden die Fehleranzeigen.

Wird heute eine Fahrtag Richtung Masuren. Per Luftlinie nicht weit weg, die russische Enklave muss umfahren werden.

Zur Unterhaltung des Fahrers Marc-Uwe Klings: Qualityland geladen.

Regenpark

Über Nacht Regen, sieht ungemütlich draussen aus.
Frühstücken, dann Parkbesichtigung.
Auch nach dem Frühstück regnet es pausenlos weiter.
Direkt weiterfahren ohne den Park mal kurz angesehen zu haben, mag ich auch nicht.
Also erst mal prokastinierendes Abwaschen, Aufräumen, Mails beantworten, Sim-Karte leer und noch ein Kaffee.

Neben Regenjacke residiert auch meine regenerprobte Segelhose schon lange ungestört in einem Staufach und kommt endlich mal zum Einsatz.
Der Park ist interessanter wie erwartet. Lange Baumalleen, ein kleiner Fluss mit Brücken und eine Orangerie mit Turm.

Der Turm ist deutlich nach einem bekannten Vorbild im Süden Europas

Der Brillenträger freut sich über die tropfenfreie Sicht im Regen. Dank Hut entfällt die ständige Wischerei der Brille im Regen. Die breite Hutkrempe funktioniert besser als jede Kappe, hätte Mann auch früher wissen können.
Aus dem kurzen Spaziergang wird eine lange Strecke kreuz und quer durch den Park.
Darüber ist es inzwischen etwas sehr später Vormittag geworden.

Der Regen trommelt immer noch aufs Jumper-Dach. Abfahrt Richtung Lettland und zurück ans Meer. Küste zieht immer wie ein Magnet, egal wie nett die Landschaft und die Seen.

Vorher ist noch ein logistisches Problem zu lösen. Auch die 30 Gigabyte meiner spanischen Sim-Karte sind endlich.
Die Karte laest sich per Internet wieder aufladen, wenn man Internetverbindung hat.
Also kleine Wanderung in die City von Plunge , suche nach einem freien WLAN.

Im Kaffee Exlibris werde ich fündig. Bei Kaffee und Croissants sende ich Euros nach Spanien und bekomme Datenvolumen auf meine SIM-Karte zurück.

Zurück zum Jumper, Koordinaten von einem kleinen Fischerdorf kurz hinter der lettischen Grenze auf dem iPad eingeben und Susi führt mich durch lange Waldstrecken nach Lettland.

Die letzten 15 km wieder über eine Waschbrettpiste. Einheimische meinen, diese Pisten fährt man entweder mit 10-20km/h oder man „fliegt“ mit 60-70 Sachen über die Querrillen. Wenn kein grösseres Schlagloch oder Wild dazwischen kommt, erscheint die Flugversion Material- und Nervenfreundlicher.

Und für eine der beiden Alternativen steht der Spass.

Raketenlabyrinth

7.8.2019
Litauen, Raketensilos, Museum kalter Krieg

Die 4 runden tiefen Schächte waren die Garage für ballistische Atomraketen mit Ziel Westeuropa.

Unter der Erde sind die Raketenbunker mit einem zentralen Steuerungsbunker über ein mehrstöckiges Labyrinth aus Gängen und Kammern verbunden. Mit einem Audioguide in der Hand, immer auf der Suche nach roten Kapitel-Nummern an den Wänden, streife ich durch die Etagen der Bunkeranlage.

Nach der langen einsamen Rumpelstrecke hierher durch das Naturschutzgebiet, überraschte der voll besetzten Parkplatz vor dem Eingang. Jetzt gilt es immer genug Abstand zu den lärmenden Besuchergruppen in der Bunkeranlage zu halten. Vom markierten Besichtigungsweg, Linie auf dem Boden, wie bei Ikea, führen verwirrend viele Türen in Nebenräume und Kammern. Wenns schief geht, steht man aber auch mal unverhofft mitten in der nächsten Gruppe.

Beindruckender Wahnsinn. Mit was für einem gigantischen Aufwand an Material, Arbeitskraft, Wissenschaft und Kreativität diese Anlage vor 60 Jahren aufgebaut und über Jahrzehnte betrieben wurde.
Kommunikationstechnik, riesige Dieselgeneratoren, Schaltschränke, Filterkammern und Tanklager zur ständigen Wartung der Raketen.

Und dann diese spezielle Gestaltung russischer Technik aus westlich geprägter Sicht. Erscheint einfach, robust, zuverlässig und dabei irgendwie vom Start weg schon veraltet.

Aber selbst wenn mangels Präzision nur eine diese Raketen ein paar Kilometer neben dem Ziel gezündet worden wären, die jeweilige Stadt wäre ausgelöscht.
Die in die geheimen Schutzbunker geeilten Eliten, in Ost und West, hätten den Austausch der Unfreundlichkeiten auch nur ein paar Wochen unter elenden Umständen überlebt.

Nach der Bunkertour auf weiterer Rummpelpiste, daneben ein schmaler asphaltierter Radweg, und Landstrasse zum nächsten Lidl, Kühlschrank auffüllen.

Abends in Plunge am Schloss. Netter Übernachtungsplatz am Schlosspark. Wenn man was übrig hat für die abendlichen KFZ-Vorführung der Stadtjugend. Schnipple das Abendessen für den Omnia zusammen und verbringe die anschliessenden 50 Minuten Garzeit mit Zugucken.
Aufpolierte Mittelklassewagen mit Bassboxen und Endschallrohroptimierung werden stolz präsentiert. Langsames rumfahren, anhalten, aussteigen, quatschen rumfahren.
Zwischendurch mal eine Sondereinlage Reifenquietschen oder Boxen aufdrehen.
Ende der Vorstellung hab ich dann doch noch verschlafen.

Gegen Mitternacht von der Ruhe aufgewacht oder den nun hörbaren polternden Güterzügen am Bahnhof.

Besichtigung des Schlossparks morgen.