Guten Montag

Das Logbuch führen per Kamera macht schreibfaul.
Es ist zu einfach geworden.
Kamera an und einfach los reden was gerade so war und ist.
Ort, Datum und Stimmung sind eingefangen.
Später dann, bevorzugt wenn es draussen kalt, regnerisch und grau ist, können die Erinnerungsfetzen dann zu einem kleinen Erinnerungsvideo ohne „ähs“ und „hmmms“ zusammen geschnitten werden.

So die Theorie.
Das Losquasseln klappt auch ganz wunderbar.
Und die Technik in der winzigen Kamera erkennt oft, was mit dem wiederholten Drücken auf die beiden Knöpfe erreicht werden soll.
Zweimal kurz:neu zentrieren,
dreimal kurz: Wechsel von Ego-Shooter-Perspektive auf Selfie und zurück usw.
Das persönliche Vlogen mit der DJI-Pocket ist sehr schnell zur Routine geworden, hat das Handy gut Verdrängt.
Aber!
Das Wetter war die letzten Wochen dann doch zu freundlich, um regelmässig Videoschnipsel zu kombinieren.
Kann man nachholen.
Aber das „richtige“ Logbuch leidet unter der bequemen Technik.
Ich werde (wieder) schreibfaul, die Einträge werden kürzer und oberflächlicher. Mehr Daten wie Eindrücke.
So war das nicht gedacht.
Schreiben wirkt nachhaltiger, weniger Schreiben macht sich dann leider auch schnell bemerkbar.
Focus geht verloren.
Und in der Folge bleibt dann auch noch weniger Stoff für das quasi-öffentliche WordPress-Blog übrig.

Heimwerkertag mit SOG

Seit Monaten wird die SOG-Anlage spazieren gefahren.
Im Karton und damit sinnlos.
Die Montage-Anleitung verspricht kompliziertes Werkeln im engen Servicefach vom Jumper. Servicefach; freundliche Bezeichnung für den Keller vom Donnerbalken.
Kleine Plastikteile sollen demontiert, gekürzt und wieder passend eingesetzt werden. Plastikteile und Mikroschalter sind passend zu positionieren.
Die SOG-Anlage soll für besseres Raumklima sorgen und einen weitgehenden Verzicht auf Chemie ermöglichen.
Das Unbehagen mit den blauen und grünen Chemiepackungen nimmt mit jedem Einsatz zu, also gestern endlich entschlossen den Einbau angegangen.
Erster Schritt, nach wiederholter Betrachtung der bebilderten Einbauanleitung, 38mm Loch in die Serviceklappe bohren.
Beim Kauf des billigen Bohreraufsatzes in einem Berliner Baumarkt wurde ich überraschend von dem Herrn an der Kasse gefragt,“wollen Sie den wirklich kaufen !?!“.
Nach Erläuterung meines Vorhabens, ein einziges Loch ins Autoblech, bekam ich noch den Tipp, gut kühlen beim Bohren. Eine Erfolgsprognose wollte der Fachmann nicht geben.
Entsprechend gespannt setzte ich den Bohrer an und schon nach 15 Minuten bohren, mit Wasserkühlung, hatte sich der tatsächlich sehr klapprig wirkende Topfbohrer durch Blech und Isolierung gequält.
Erfolg, die Stimmung ging dann aber schnell wieder in den Keller. Die sicher in der Werkzeugkiste geglaubte Tube Silikon zum Abdichten war doch in einer anderen Kiste, in Berlin.
Schön dass Faro mit Baumarkt nicht weit ist, also Einräumen und kurze Einkaufstour zu Aki.
Anschliessend Kleben, Bohren, Schrauben und Verkabeln. Nur 4 Stunden später brummt der Lüfter. Der Heimwerker ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden, aber etwas lang hat die Aktion schon gedauert.

Leben auf einem Narrow Boot

Vor ein paar Tagen, beim Beobachten der Fortschritte von Waschautomaten und Trockner, mit einem Engländer ins Gespräch gekommen. Er hat 17 Jahre auf einem Narrow-Boat gelebt. England ist mit einem Netz von schmalen Wasserkanälen durchzogen. Gebaut und unterhalten wurden diese als Transportwege, heute kreutzen dort fast ausschlieslich die langen, schmalen Wohnboote.
Ein paar Videos vom Kanal „cruisingthecut“ hatte ich zufällig gesehen. So hatte ich ein paar Vorstellungen, von was er redet.
Nach 17 Jahren Kanal fahren, ist er nun in ein kleines Wohnmobil gezogen und entdeckt Portugal und Spanien.


https://youtu.be/yMKJR5n4gLw

Wochenendeinkauf

Als bekennender Supermarktmuffel, der nun seit knapp 9 Monaten ungewohnt häufig mit so einem Drahtwagen durch langweilige Regalschluchten irrt, kommt doch immer mal wieder Begeisterung auf. Man kann mit dem vollgepackten Teil von der Kasse direkt zur Schiebetür des Jumpers scheppern und den Kram direkt in Kühlschrank und Stauboxen verteilen. Klasse 😎

Neid und Missgunst

Aus einer abonnierten Facebook-Gruppe mit Thema „Wohnmobil in Portugal“ strahlt mich ein aktuelles Foto von genau dem Strandabschnitt an, an dem ich seit ein paar Tage stehe.
Darunter dann aber keine Beschreibung der schönen Umgebung, Strand, Sonne und  blaues Meer, sondern missmutiges Gejammer über einen zu dieser Jahreszeit wenig besuchten Campingplatz in der Nähe.
Abgesehen von den schwachen Bewertungen des bedauerten Campingplatzes auf Bewertungsportalen, sind Campingplätze nicht unbedingt für alle Reisenden der bevorzugte Aufenthaltsort.
In der Facebook eigenen Meinungsdynamik werden schon Minuten später Foto und Text mit kleinen bunten Symbolkommentaren bedacht. Zustimmung, Freude, Ärger, alles dabei.
Es überwiegt zunächst Unterstützung bei der Entrüstung über diese bösen Platzverweigerer.
Zwischen den Textkommentaren dann die Frage an die Themenstarterin, wo den dieser Platz genau sei.
Überraschende Antwort; ist nicht so genau bekannt, das Fotos wurden von einem Nachbarn mitgebracht.
Kopfkino macht Gong zum Beginn der Vorstellung.
Da startet eine kleine Wandergruppe vom umzäunten Campingplatz und erkundet die fremde Umgebung. Schon nach wenigen hundert Metern Wanderung durch die Umgebung trifft man auf eine Reihe von Wohnmobilen, die da so ohne Parzelle am Sandweg stehen.
Keine Einfahrtschranke und saubere Asphaltstrassen, nur ein paar Abfallbehälter lassen ahnen, dass auch hier Ordnung gehalten wird, wenn auch irgendwie anders.
Aufgeregt eilt die Gruppe zurück in die Einfriedung und zeigt die Fotobeute herum. Auch die Zurückgebliebenen sehen nun, welche schlimmen Zustände jenseits des Zauns geduldet werden.
Kopfkino Pause.
In der Facebookgruppe nimmt die Diskussion inzwischen eine unerwartete Richtung. Statt der beliebten Auseinandersetzungen zwischen dogmatischen „Freistehern“, Campingplatznutzern, Wohnmobilisten usw. beginnt ein Erfahrungsaustausch zum Sandweg über den Klippen.
Da werden Links zu alten Reiseberichten und Tips zu nahe gelegen Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten und zur Geschichte des ursprünglichen Fischerortes beigefügt.
Da hat sich die Lektüre der Kommentare doch mal gelohnt.

2018, zu viele Punkte auf der Karte

Viele Orte, viele Kilometer und Eindrücke.

Es fehlen ein paar Punkte in Spanien und Frankreich, da hat Google nicht richtig aufgepasst.

Die Möglichkeiten eines Wohnmobils verleiten zum spontanen Ortswechsel. Wenn das Wetter oder die Nachbarschaft nicht passt, Schränke einräumen, Klappen zu, Motor an und weiter. Dabei braucht es, rückblickend betrachtet, oft nur einen Tag Geduld und die Regenfront ist durch oder der mit Stromaggregat nervende Nachbar verschwunden. (gestern erstmals erlebt wie nervig so ein Gerät auch noch in 20 Metern Abstand sein kann).

Eine beim „fahrenden Volk“ bekannte Unruhe, die sich mit der Zeit legen soll. Es ist im Jahresverlauf schon besser geworden, aber noch weit entfernt von meinen Vorstellungen.

Meine Erfahrungen mit guten Vorsätzen, egal ob zum Jahreswechsel oder direkt nach ersten eiligen Analysen  kleinere und grösserer Pannen, dämpfen die Bereitschaft da viel Energie zu opfern.

Aber grobe Richtungsentscheidungen zur Orientierung habe sich bewährt.

Also:

  • 2019 weniger Orte und Kilometer, mehr „Osten“ (Spanien, Polen, Litauen) und Norden (Norwegen).
  •  einfach länger stehen, Umgebung erkunden
  • mehr lesen
  • weniger Evernote, mehr WordPress

reicht schon !

Muster finden (DreamSideOut, The Conservation)

Zeichnen als Gespräch mit dem leeren Blatt.

Zwei Phasen.
Es beginnt mit schnell gezogenen Linien auf dem weißen Blatt.
Aus den Linien und Kreuzungen bilden sich Muster und verblassen wieder.
Die einzelne Linie hat keine Bedeutung, erst mal in Gang kommen, Möglichkeiten schaffen.
Im Zeitraffer des Videos ein leichter und schneller Prozess.
Mehrmals bietet das Gekritzel geahnte Gestalten an und die werden wieder verworfen.
In der zweiten Phase ist die Entscheidung für eines der Gesichter gefallen.
Auch im Zeitraffer erkennbar, wandeln sich die schnellen Zeichenbewegungen zur langsameren, konzentrierten Detailarbeiten..
Hier kritzelt offensichtlich nicht der unbedarfte Amateur, der Zeichnerprofi nutzt gezielt sein Handwerk.
Sorgfältig werden mit feinen Strichen Lichteffekte in die Augen gebracht. Ein Gesicht wird lebendig und bekommt Ausdruckskraft.
Die wirren Krakellinien des Anfangs sind schon lange überdeckt oder gelöscht, bleiben doch Basis der entstandenen Zeichnung.
Wie ein neu zu begreifendes Wissensgebiet, erst mal frei Impulse, Fakten und Geschichten sammeln.
Langsam bilden sich, wie von selbst, Muster aus Begriffen und  Zusammenhängen. Immer neue Perspektiven auf das Gebiet. Es wird vertrauter, manchmal aber auch unverständlicher wie erwartet.
Eine neue, eigene Landkarte entsteht.
Der Übergang vom lockeren, absichtslosen Liniensammeln zum Ausgestalten eines erkannten Musters ist der schwierige Punkt.
Mit der schnellen Entscheidung für ein entdecktes Muster aus Begriffen und Zusammenhängen, kommt gleich auch der Verdacht, eine wesentlichere Alternative zu verpassen.
Aber beim längeren Sammeln von Material und Perspektiven schwindet die Zuversicht noch zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.
Was tun?
öfter Karten zeichnen, schneller Scheitern übt 🙂

 

 

zu ungeduldig?

Morgens mault die Batterie, unterer Warnpunkt mal wieder erreicht. Sonne versteckt sich hinter Wolkendecke, die Solaranlage liefert satte 3 Watt, die der Router sofort für sich beansprucht.

Zur Sicherheit, noch bevor die Schutzschaltung eine Tiefentladung verhindert, alle Stromfresser abgeschaltet.

Kühlschrank, Gas, Wasser, Diesel, Mobilfunknetz, Käse und Wein sind gut im grünen Bereich. Der Stellplatz hoch oben auf der Klippe über dem Meer entspricht allen Anforderungen der Vanlife-Klischees. Und nun mault die Batterie.

Tiefentladungen verkürzen die Lebenserwartung dieser Bleibrocken nachhaltig.

Einfach mit Buch an den Strand setzen und mal abwarten?

Die Wetterkarte will auch keine kurzfristige Änderung versprechen.

Nein, nicht warten, Aktionismus siegt, auf zum nächsten Landstromanschluss. Genug Waschmaschinen-Kundschaft wartet auch schon in der IKEA-Tüte.

Motor an und zum nächsten Campingplatz mit Stromanschlüssen.

40 Minuten fahren, einchecken, einparken, anschliessen. Alle Akkus, vom iPhone über Notebook bis Standbatterie saugen am Landstrom.

Knapp 5 Minuten später kommt die Sonne raus, blauer Himmel.

Das Ereignis hätte man mit etwas mehr Geduld auch am Strand haben können.

Auf zur Waschmaschine.

auf einer Titanic?!

Bei Ideequadrat  bin ich morgens über das folgende Zitat gestolpert und hab mir anschliessend die zugehörige Podcastfolge aufs Handy gezogen.

Dann hat hat mich das Thema fast die gesamte morgendliche Wanderung an den Klippen bei Aljezur begleitet.

Also das  Zitat:

Die Praxis zeigt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus agile Unternehmenskulturen suchen. Viele Menschen sind allerdings auch so sozialisiert, dass sie in bestehenden Handlungsroutinen stecken bleiben. Sie erwarten, dass Führungskräfte für sie Entscheidungen treffen und meinen, dass funktionierendes unternehmerisches Handeln fixe Pläne und genaue Kontrolle braucht.
(Wolfgang Grilz: Wie stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum agilen Unternehmen? Erschienen in Trigon Themen 01/2018)

Ja, die Landschaft ist auch sehr schön, aber längeres durch den Sand Stapfen verleitet auch zu geduldigem Podcasthören. Die angepeilte Landzunge habe ich auch erreicht.

Also, kommt mir bekannt vor, diese Praxis habe ich auch wiederholt erlebt.

Gleichzeitig kollidierte diese persönliche, höchst subjektive Einschätzung mancher Episoden des Arbeitsalltags immer mal wieder mit der optimistischen Kongress- und Fortbildungswelt.

die X-Y-Theorie

Bei Veranstaltungen zur Weiterentwicklung der Arbeitswelt (die mit dem aktuellen Schlagwortzoo Agil,New Work,SCRUM,Augenhöhe usw.) kommt seit ein paar Jahren das Spiel mit den X und Y Typen.

Läuft so ab, der Referent/Trainer befragt die Gemeinde zur persönlichen Zuordnung in die Motivationstypen X und Y.
Anschliessend Einschätzung der Mitarbeiter/Kollegen/Untergebenen/Genossen.

Ergebnis: Die Anwesenden rechnen sich erwartungsgemäss selbst zur Abteilung „intrinsisch Motiviert“, also Typ Y und die gerade abwesenden Mitmenschen zur Gruppe X. Die brauchen Belohnung und Bestrafung um in Bewegung zu kommen oder zu bleiben.

Lernziel erreicht:
Unterschied Eigen- und Fremdwahrnehmung, Prozentrechnung… das grosse Missverständnis: wir alle wollen doch so gern ständig selbstmotiviert Arbeiten.

Klasse, kollidiert nur zügig und regelmässig wieder mit obiger Praxiserfahrung im Alltag.

Sicher kein Naturgesetz, möglicherweise aber eine sich selbst stabilisierende Zirkelkausalität.
Mitarbeiter und Führungskraft erziehen sich wechselseitig zu „Möhrchenspielen“ (Jahresgespräch, Zielvereinbarung, Stellenpan, Beförderung, Prämien usw.)

Ein stabiles System, dazu:

  • Gegenseitige Bestätigung auf dem richtigen Weg zu sein.
  • Hat lange gut funktioniert, etablierte Regelwerke die Erlernen und Folgsamkeit zuverlässig belohnen.Fast so zuverlässig wie Naturgesetze.
  • Munter wird Abteilungs- und Silodenken gepflegt.
  • Traditionspflege.
  • Abgrenzung statt Vernetzung.
  • Etwas Cargo-Cult mit Büromöbeln und Hardware.
  • Change-Projekte
  • Zentralisierung-Dezentralisierung-Zentralisierung Wellen.
  • usw.

Was tun, wenn man sich in so einem stabilen System wiederfindet, aber an der Zukunftsfähigkeit zweifelt!?

Wieviel Zeit und Energie investieren?

Wie stark ist man schon Teil dieses Zirkels geworden, ohne die Folgen selbst noch wahrzunehmen?

Viele Branchen und Unternehmen haben inzwischen leidvolle Erfahrung mit der Dynamik des Themas gemacht.

VUCA-Welt kommt nicht, sie ist schon da.

Die laufende digitale Transformation ist doch nicht nur ein Modewort der Unternehmensberater, sondern wirbelt wieder Erwarten real auch die eigene Nische durcheinander.
Natürlich auch die Sozialwirtschaft.

Hat man für sich erst mal den Eindruck gewonnen, auf einer zügig durch die Wellen pflügenden Titanic unterwegs zu sein, schwindet das Interesse an Dekoration und Buffet.
Die heroischen Auftritte des Brückenpersonals motivieren zu noch entschlossenerer Suche nach Wechselchancen.

Gar nicht so einfach, woran erkennt man die besseren Alternativen?

Die Begriffe verbrauchen sich so schnell zu Verkaufsfloskeln der Beraterzunft.

Hab ich eins vergessen? VUCA, agil, Augenhöhe… 😉