tschüss 2019

2019, schon Vergangenheit

Nur ein paar Stichpunkte aus meinem „Jahresabschluss“

2019, Google trackt mit 🙂
  • zu viele Kilometer gefahren (fast 30000 km lt Tacho)
  • zu viele neue Länder/Orte, bleibende Eindrücke verlangen Zeit!
  • zu wenig Bücher gelesen (statt dessen vielleicht zu viel Tourenbeschreibungen und zu „Technik rund um Leben auf Rädern“ gelesen.
  • Baltikum: man fährt von Berlin nur wenige Stunden nach Osten, die Sprachen werden immer fremder und unverständlicher/unlesbarer – gleichzeitig trifft man häufiger auf deutsche (Kultur)Geschichte (z.Bsp.: Mann, Kurische Nehrung)
  • Venedig: Gassen, Ruinen, Wasser… faszinierend. Immer nur schön Abstand zum Markusplatz halten 🙂
  • Portugal: die Wärme zieht an die Algarve und da werden die vielen rollenden Eigenheime zur Plage. Der Alentejo ist schöner, leerer und leider kälter.
  • Wohnen/Leben im Jumper fühlt sich inzwischen „normal“ an. Wohnen in einer Immobilie ist dagegen doch sehr immobil. Wird leider in Massen entdeckt (#Vanlive)
  • TTT, die jüngste technische Investition in den Jumper hat sich mehr als bewährt. Entsorgungsintervall ist von alle 3-4 Tage auf 3-4 Wochen gesprungen.

Consozial

Nur so ein Eindruck:
Im Herbst, vor Abfahrt in den Süden, zur Orientierung auf der Consozial.
Im Vorjahr wurde nach meinem Eindruck noch hoffnungsvoll auf die Digitalisierung geblickt (so neu im Jahr 2018!).
Da war viel von Abholen und Mitnehmen zu hören. „New Work“ in der Sozialwirtschaft und nur ein wenig Spott über Verkäufer in der Messehalle, die den Sozialunternehmen veraltete Software-Architekturen aus der Web 1.0-Zeit andrehen.

Dieses Jahr (2019) hingegen berichtete Verzweiflung aus dem Personalbereich.
Das Personal, nicht nur das Fachpersonal, wird sehr knapp.
Dazu das Tempo der Entwicklung.
Statt „digitaler Dividende“ zeichnet sich eine Welle an neuen Dokumentations- und Abrechnungsanforderungen ab.

Während also einerseits das Personal noch knapper wird, steigen die Compliance-Anforderungen aus diversen gutgemeinten Gesetzeswerken. Natürlich ohne Refinanzierung.
Absturz mit langer Ansage. Aber warum sollte es auch in der Sozialwirtschaft anders laufen wie vormals bei Verlagen, Banken, Versicherungen… und demnächst Autoindustrie.

Zum Bloggen

Das regelmässige Logbuch schreiben und das Sammeln von Erinnerungsfotos mit Datum und Koordinaten, wird besonders in der Kombination für mich persönlich immer wertvoller.

Damit schwindet jedoch zunehmend schneller der Bedarf an „Anschubs-Motivation“ durch Blog schreiben, publizieren und kommunizieren.

Die erforderliche Auseinandersetzung mit Technik (WordPress, Netzverbindung, Fotos einfügen, updates, Spamabwehr…) und Form (Layout, Kommata grosszügiger verteilen, Fotos passend einfügen) wird zudem lästig und zur Spassbremse.

Plattformen wie Instagram, Facebook, YouTube usw. bieten unkompliziertes Einstellen und Verwalten eigener Beiträge an. Am Ende importiere ich das Material dann wieder für meine Zwecke in mein Archivsystem … , wozu die Schleife !?

Anonymes Bloggen bei entsprechenden Plattformen ist mir offensichtlich zu anonym. Bemerke ich an meinen langen Beitragsintervallen.

Die „direkte“ Kommunikation, Austausch von Informatinen und Tipps, Verabredungen usw. hat sich immer stärker in Whatsapp, Telegram u. dergl. Dienste verlagert.

Ganze Videoclips lassen sich inzwischen einfacher per Telegram &Co übermitteln, statt umständliches Einbetten in einer Blogseite.

Also wozu noch das Blog!?

Jetzt

Eigentlich wollte ich um diese Zeit (Mitte Januar) 500 Kilometer weiter östlich in Spanien/Andalusien sein.
Glücklicherweise habe ich hier an der Algarve lang genug gebummelt, dass ich die Unwetter (Orkan, Schnee) an der Mittelmeerküste gerade verpasse.

2020 ?

„Wer plant irrt doch nur genauer“

oder:

„Ich bevorzuge das Finden gegenüber dem Suchen“

fahren, fahren, fahren

Dank einer suboptimalen Terminplanung (oder Procastination beim Bürokram) war es plötzlich etwas eilig mit der Rückkehr in deutsches Hoheitsgebiet. 
Also von Malaga bis Freiburg 2200 km fahren, fahren, fahren. Kühlschrank voll, Hörbücher (Fitzek: Therapie und Jünger: Stahlgewitter) und eine Podcastliste geladen und los.

Bis Barcelona tapfer alle Maut-Strecken umfahren und dann doch langsam die Geduld verloren und über die (teuren) Maut-Bahnen gen Germanien gerollt.

Immerhin dank gleichmassigem Rollen mit nur einer Tankfüllung Diesel aus Spanien die knapp 30 Cent teureren Zapfsäulen in Frankreich umfahren. 

Jüngers Stahlgewitter bei der Fahrt durch Frankreich passt geographisch. Wollte von Jünger schon seit Jahren mal mehr als nur Ausschnitte lesen. Die sich absehbar lang hinziehende Fahrt, Susi errechnete 19 bis 24 Stunden reine Fahrzeit, bot nun Gelegenheit das ganze Buch zu hören. 

Aber stundenlange Beschreibungen des grässlichen Alltags in einem Stellungskrieg, Verwundete, Schreie, Leichen, Dreck, Gasangriffe, unterbrochen von heroischen Selbstdarstellungen des Kriegers – halten nicht wach.
Ungefähr bei Perpingnon wurde Jünger abgesetzt und gegen Fitzek getauscht.
Klassiker verdrängt Bestseller. 

Kann sonst mit Krimis wenig anfangen, beim Lesen schleicht sich zuverlässig die Sorge was zu verpassen ein. Aber beim gleichmütig zwischen den LKWs dahin rollen, sind nur Abfahrten oder aufblitzende Bremslichter zu verpassen. Kurzum Krimi hören und KM abfahren passt. 

Bei aufkommender Müdigkeit einfach rechts raus auf einen Parkplatz und hinten im Schlafabteil ne Runde Matratzenwachdienst. Prima. Am 2 Tag nur noch im Camping-Dress (Poloshirt und Jogginghose) die Positionen gewechselt. In Südfrankreich natürlich, dem Rat unzähliger Experten folgend, immer Sicherheitsabstand zu Autobahnparkplätzen gehalten und in kleine Dörfer ausgewichen.

Die Kreditkartenabrechnung wird mir noch nachweisen, wie teuer die Reise über die französischen Mautbahnen kommt, so knapp 160 Euro hab ich mit gezählt.  
Möglicherweise wäre ein Billigflug hin und zurück, zeitlich und monetär, geschickter gewesen. Und ökologisch?! 
3,5 Tonnen knapp 3000 km nach Norden rollen oder einen Rolf hin und zurück fliegen!?   

Wiederholung ist so bald nicht vorgesehen. Termin ist erledigt, es geht jetzt im gewohnten Bummeltempo weiter nach Berlin.

im Sandkasten

Die geruhsame Fahrt durch den Nationalpark Coto de Doñana endete mit einem Offroad-Sprint.
Es begann mit einem kleinem Ausweichmanöver. Beim Umfahren einer kleinen Sandbarriere auf dem Weg pflügen sich Fahrer und Jumper in ein Sandloch.

Bei der zügigen Bewegungen von Fahrzeugen mit Geschwindigkeiten jenseits der Vernunftgrenze war geringe Bodenfreiheit immer sehr willkommen. Je tiefer je besser.

(10 cm schwebte mein Simca Ralley II über die Berliner Pflaster).  

Aber beim Manövrieren der aktuellen Behausung zwischen Schlaglöchern, Schlammpfützen und Sandhaufen wird jeder Zentimeter Bodenfreiheit gebraucht.So ändern sich die Prioritäten. Hätte jetzt gern 30-50 cm …


Durch kleine Sandfelder auf dem Weg kommt man mit Schwung und Drehmoment. Wenn aber Gewicht und Schwung auf ein etwas tieferes Sandfeld oder Schlammloch treffen, reduziert Jumper die wenigen Centimeter Bodenfreiheit in Sekunden auf 0. So bereitwillig der Diesel die Masse Auto und Inhalt die Hügel raufschleppt, so konsequent pflügt er sich bei Gelegenheit dann auch bis zu den Bodenblechen in den weichen Untergrund.
Befreiung dann durch fleissiges Freischippen, Fahrspur mit Kies oder Zweigen vorbereiten und dann mit Gas und Kupplung aus der Falle schaukeln. Immerhin kein Schlamm und die Schlammschlacht versprechenden Regenwolken ziehen folgenlos weiter.

Aber nach 4 Stunden Sand schippen, Äste unterschieben, vorwärts rückwärts schaukeln usw. war dann irgendwann klar; ohne fremde Hilfe bekommen wir diesmal die 3,5 Tonnen nicht wieder aus dieser Buddelkiste.

Rundum nur Kiefernwald und Sand. Kein Kies, kaum Zweige und die nächste Siedlung nach Karte 12 Kilometer entfernt.
Also per Handy Bergungsdienst per Handy für nächsten Tag organisieren und Übernachtung vorbereiten.
 

im Sandkasten

Manchmal hat man auch Glück auf einsamen Waldwegen.

Unverhofft kommt eine Gruppe von 3 kleinen Geländewagen vorbei. Die fröhliche Truppe junger Spanier vermittelt schnell den Eindruck: eine feine Gelegenheit für den Einsatz der technischen Ausrüstung.  
Einer der Kraftzwerge mit Allrad zog dann mit Schleppgurt und 3 Anläufen den Jumper rückwärts aus seinem Sandloch. Nun galt es vor der nächtlichen Schliessung der Tore einen Parkausgang zu finden. Für die Geländewagen haben die Tore weniger Bedeutung; es gibt genug freie Wege. Aber Jumper braucht strassenähnlichen Untergrund und weitere Tests der Geländegängigkeit waren für diesen Tag nicht vorgesehen. Darauf konnten wir uns in englisch-spanischer Kommunikation mit Gestenunterstützung schnell verständigen. 

Also ging es  in zügigem Tempo zum vermuteten offenen Parkausgang. An den Hüpfbewegungen des vorauspreschenden Jeeps war gut zu erkennen, wann Jumper besser mit Vollgas über die nächsten Fahrbahndellen fliegen oder besser nach Vollbremsung durchrumpeln sollte. Hat sehr viel Spass gemacht!.

  1. Kein (erwarteter) Bruch beim Geschirr
  2. ein Regalgestell musste am nächsten Tag wieder komplett zusammengesetzt werden. 
  3. Auf der Bucket-List steht jetzt „Touren mit leichtem Offroad-Fahrzeug “.

Irgendwann haben wir dann einen offenen Ausgang gefunden und pflegen nun den Muskelkater vom Schippen.

Reiseplanung Andalusien

Die schlichte Alltagserfahrung „Wer plant, irrt genauer“ hat mal wieder zugeschlagen. Statt, wie geplant, eine Kette von schönen Orten entlang empfohlener Stellplätze abzufahren, steh ich mit Jumper nun erst mal vor einer Werkstatt und warte auf ein kleines Ersatzteil.

Aktueller Stand der Diagnose: „defekter Sensor legt den Turbolader lahm, tauschen!“. Das Teil ist gestern in Madrid bestellt, kann bis Dienstag dauern.

Also erst mal keine Bergfahrten, dafür mehr Stadtbesichtigung.

Vor 120 Jahren drehten sich die logistischen Probleme der Reisenden um Pferde, Kutscher und Herbergen. Reiseplanung mit sowas wie Wikipedia, Satelliten-Bildern und Google-Maps war kaum zu phantasieren. Entsprechend knapp fielen die Planungsansätze aus:

Wer Spanien auf bequeme und angenehme Art besuchen will, reise im Frühjahr der Küste entlang und mache einen Abstecher von Malaga nach Granada, und von Cadiz über Sevilla nach Cordova, so hat er das Schönste gesehen, was die Erde ihm zu bieten vermag.

Hackländer, Friedrich Wilhelm. Ein Winter in Spanien 1855 (German Edition) (S.4). Kindle-Version.

Dagegen bietet der Herr Hackländer sehr ausführliche Landschaftsbeschreibungen. Einfach knipsen gab es ja auch nicht. Die Lektüre von Kutschenerlebnissen aus dem vorletzten Jahrhundert dämpft den Pannen-Ärger.


Platzwahl und „weisse Pest“

20190315

In Portugal beginnt die Saison mit dem Räumen von Plätzen.
Bin wohl rechtzeitig Richtung Spanien verschwunden und habe selbst keine Räumung erleben müssen.

Katastrophale Zustände an der Algarve. Die weiße Pest überflutet das Land. Portugal hat schon reagiert und räumt nun viele Plätze täglich und verhängt Strafen. Schade, dass es soweit kommen muss. Aber Parkplätze sind nun mal keine Campingplätze für Wohnmobile! pic.twitter.com/KZxbZDvfTG— AMUMOT (@Andre_AMUMOT) 15. März 2019

https://twitter.com/Andre_AMUMOT/status/1106442630961999872

Hier, in Andalusien, nun ein etwas abgelegener Platz, im Gelände.  Für Jumper noch problemlos erreichbar und keine „weisse Pest“ weit und breit.

Wobei der Begriff „weisse Pest“ m.E. eine etwas irreführende Bezeichnung des Phänomens der Womo-Massen darstellt. Die rollenden weissen Kunststoff-Container sammeln sich gern auf Plätzen und stehen eng beieinander. „Kuschel-Camper“ und „Wohnmobil-Tetris“ sind die noch relativ freundlichen Bezeichnung dieser Gruppe durch die anderen Abteilungen der wachsenden Gemeinde des fahrenden Volks.

Gerade die grösseren Plaste-Container haben eine funktionierende Sanitäreinrichtung an Bord. Die Besatzungen der coolen kleinen Vans hingegen pflegen, mangels entsprechender Ausrüstung, gelegentlich eine am Mittelalter orientierte Entsorgungstechnik. Bei entsprechender Menge, und inzwischen sind in den Küstenregionen grössere Mengen wahrnehmbar, wird es unangenehm in Dünen und Wäldchen nahe der Strände. Dass da nun mal selbst die duldsamen Portugiesen die Geduld verlieren und die unhöflichen Gäste von den Stränden scheuchen, ist verständlich.

Bio Krawall

Hier habe ich ganz andere „Probleme“. Bio-Krawall !
Einen netten Platz fürs Wochenende gefunden.

Nächste Nachbarn 200 Meter Abstand, Kühlschrank, Futterkiste und Wassertank sind voll. 

Abends kommen dann auch noch ein paar Pferde zu Besuch.

vielleicht mal Kamera gerade halten ?

Aber die Ruhe täuscht.

Nachts, lange vor Sonnenaufgang, beginnt ein Hahn zu krähen. Die kleine Landwirtschaft hinter dem Wäldchen hatte ich bisher nicht wahrgenommen.

Unermüdlich pflegt er seine Kommunikationsübungen mit kurzen Unterbrechungen bis in den Morgen. 

Dann antwortet endlich ein zweiter Hahn aus der Ferne. Zum Frühstück ist dann mal Pause. Aber gegen 12 wird weiter gekräht.

Habe den Wohnsitz dann kurzentschlossen 500 Meter verlegt. Vorsichtig und langsam am Ufer entlang rollen, hat ohne Manöverschäden geklappt. Keine Lust für die paar Meter die komplette Umstellung auf Fahrbereitschaft abzuarbeiten.

Mal abwarten, ob noch eine lautstarke „endlich-Wochenende-Feiertruppe“ einen der Grillplätze in Gang setzt.