schon wieder

Da zu Weihnachten ein kurzer Ausflug ins kalte Berlin vorgesehen ist, bummelte Jumper nun langsam Richtung Norden / Lissabon.
Donnerstag Abend, auf halber Strecke zwischen Algarve und Lissabon, auf einem idyllischen Stellplatz am Atlantik, wurde der Kühlschrank mal wieder durch mangelhaftes Kühlverhalten auffällig.
Elektrische Zündung zündete mal wieder nicht in den Gasbetrieb.
Routiniert wurden die, seit der Episode in Schottland bekannten, Schwachpunkte abgesucht. Nur diesmal ist das Klicken der Zündung deutlich zu hören, mit neuer Batterie noch deutlicher, aber keine Zündung der Gasflamme. Gastank ist voll.
Thermometer im Kühlschrank bestätigt die gefühlten Plusgrade. Eine  Differenz zur Raumtemperatur ist kaum noch wahrnehmbar.
Die Guiness-Dosen im Kühlschrank werden die ungeplante Wärmeentwicklung stoisch hinnehmen, die Käsesammlung vermutlich nicht.
Spätere Zündversuche führen zu einem zwiespältigem Erfolg. Nach einigen Fehlversuchen springt der Brenner mit gedämpften Knall einer Fehlzündung an, um dann wenig später wieder den Betrieb einzustellen.
Diagnose nach Fahndung in den einschlägigen Foren: Gasbrenner ist vermutlich verdreckt oder defekt.
Gasanlage, neben Lenkung und Bremsen der Bereich wo bei mir keinerlei Interesse an entdeckendem Lernen besteht. Werkstatt !
Also Abendessen mit viel Käse und nächste Werkstatt ergoogeln.
Das Suchergebnis bestätigt dann auch leider nur die Hinweise der Reiseführer: passende Werkstätten an der Algarve, in Lissabon auch, aber keine positiven Empfehlungen.
Wie damals in Schottland, nächste Werkstatt in 200 km in der falschen Richtung.
Am nächsten Morgen, nach Käsefrühstück, zurück nach Süden.
Navi behauptet, für die 180 Kilometer sind 2 1/2 Stunden zu erwarten.
Erscheint mir etwas lang, Navi behält recht.
Hörbuch an
(passend„Disrupt Yourself…“ von Christoph Keese )
und los gerollt.
Während der Fahrt wird im 12 Volt Betrieb Kühlschrank und Guiness wieder runter gekühlt.
Mittags, bei der Werkstatt angekommen, zündet der Kühlschrank beim ersten Versuch; natürlich.
Aber bei weiteren Versuchen wiederholt sich dann die Zickerei mit Fehlzündungen und instabiler Flamme.
Statt längerem Säubern und Justieren kommt ein neuer Brenner rein.
Der hat ein paar kleine Brennschlitze mehr, vielleicht eine Verbesserung.
Zum Abschied prognostiziert mir der englischstämmige Fachmann den üblichen Ausfall des Betriebswahlschalters bei diesem Dometic-Modellen. Die Kontakte korrodieren bei zu wenig Gebrauch, so wie ganz, ganz früher die besonders empfindlichen Drehpotentiometer bei den teuren Radios.
Wo wir nun schon mal wieder hier sind und der Himmel ist blau.
Mit neuem Brenner, kühlendem Kühlschrank, kaltem Guiness und Buch verbringe ich nun das Wochenende am Algarve-Strand.
Ausnahmsweise mal auf einem bis auf den letzten Platz gefülltem Strandweg zwischen vielen weissen rollenden Alterssitzen.
Montag dann neuer Start Richtung Lissabon.

Antennenbastelei

Beim Surfen durch meine RSS-Feeds zufällig (gibt es Zufälle!?) gefunden, auch Andere plagen sich zeitweise mit schwachem Empfangssignalen rum.

Gerade an interessanten, abgelegenen Stellplätzen, wie z. Bsp. Alferce im Alentejo, ist das LTE-Signal oft erst nach mehrmaligem Umparken des Jumpers ausreichend stabil. Praktisch wäre da eine bewegliche LTE-Antenne.

Bei Mosaikum heute eine interessante Bastelanleitung für den Einsatz einer LTE-Antenne gefunden:

Nach zwei Urlauben komme ich nun endlich mal dazu, einen kleinen Erfahrungsbericht zu meiner LTE-Antenne zu schreiben, da ich die wenigen Blogbeiträge, die es damals dazu gab, auch als sehr hilfreich empfunden habe

Wildcamping im Mini-Womo mit großer LTE-Antenne

PS: Schade, Mefisto wurde offensichtlich durch einen kleinen Minicamper ersetzt und  im Ruhestand oder auf dem Schrottplatz gelandet.

zu ungeduldig?

Morgens mault die Batterie, unterer Warnpunkt mal wieder erreicht. Sonne versteckt sich hinter Wolkendecke, die Solaranlage liefert satte 3 Watt, die der Router sofort für sich beansprucht.

Zur Sicherheit, noch bevor die Schutzschaltung eine Tiefentladung verhindert, alle Stromfresser abgeschaltet.

Kühlschrank, Gas, Wasser, Diesel, Mobilfunknetz, Käse und Wein sind gut im grünen Bereich. Der Stellplatz hoch oben auf der Klippe über dem Meer entspricht allen Anforderungen der Vanlife-Klischees. Und nun mault die Batterie.

Tiefentladungen verkürzen die Lebenserwartung dieser Bleibrocken nachhaltig.

Einfach mit Buch an den Strand setzen und mal abwarten?

Die Wetterkarte will auch keine kurzfristige Änderung versprechen.

Nein, nicht warten, Aktionismus siegt, auf zum nächsten Landstromanschluss. Genug Waschmaschinen-Kundschaft wartet auch schon in der IKEA-Tüte.

Motor an und zum nächsten Campingplatz mit Stromanschlüssen.

40 Minuten fahren, einchecken, einparken, anschliessen. Alle Akkus, vom iPhone über Notebook bis Standbatterie saugen am Landstrom.

Knapp 5 Minuten später kommt die Sonne raus, blauer Himmel.

Das Ereignis hätte man mit etwas mehr Geduld auch am Strand haben können.

Auf zur Waschmaschine.

auf einer Titanic?!

Bei Ideequadrat  bin ich morgens über das folgende Zitat gestolpert und hab mir anschliessend die zugehörige Podcastfolge aufs Handy gezogen.

Dann hat hat mich das Thema fast die gesamte morgendliche Wanderung an den Klippen bei Aljezur begleitet.

Also das  Zitat:

Die Praxis zeigt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus agile Unternehmenskulturen suchen. Viele Menschen sind allerdings auch so sozialisiert, dass sie in bestehenden Handlungsroutinen stecken bleiben. Sie erwarten, dass Führungskräfte für sie Entscheidungen treffen und meinen, dass funktionierendes unternehmerisches Handeln fixe Pläne und genaue Kontrolle braucht.

(Wolfgang Grilz: Wie stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum agilen Unternehmen? Erschienen in Trigon Themen 01/2018)

Ja, die Landschaft ist auch sehr schön, aber längeres durch den Sand Stapfen verleitet auch zu geduldigem Podcasthören. Die angepeilte Landzunge habe ich auch erreicht.

Also, kommt mir bekannt vor, diese Praxis habe ich auch wiederholt erlebt.

Gleichzeitig kollidierte diese persönliche, höchst subjektive Einschätzung mancher Episoden des Arbeitsalltags immer mal wieder mit der optimistischen Kongress- und Fortbildungswelt.

die X-Y-Theorie

Bei Veranstaltungen zur Weiterentwicklung der Arbeitswelt (die mit dem aktuellen Schlagwortzoo Agil,New Work,SCRUM,Augenhöhe usw.) kommt seit ein paar Jahren das Spiel mit den X und Y Typen.

Läuft so ab, der Referent/Trainer befragt die Gemeinde zur persönlichen Zuordnung in die Motivationstypen X und Y.
Anschliessend Einschätzung der Mitarbeiter/Kollegen/Untergebenen/Genossen.

Ergebnis: Die Anwesenden rechnen sich erwartungsgemäss selbst zur Abteilung „intrinsisch Motiviert“, also Typ Y und die gerade abwesenden Mitmenschen zur Gruppe X. Die brauchen Belohnung und Bestrafung um in Bewegung zu kommen oder zu bleiben.

Lernziel erreicht:
Unterschied Eigen- und Fremdwahrnehmung, Prozentrechnung… das grosse Missverständnis: wir alle wollen doch so gern ständig selbstmotiviert Arbeiten.

Klasse, kollidiert nur zügig und regelmässig wieder mit obiger Praxiserfahrung im Alltag.

Sicher kein Naturgesetz, möglicherweise aber eine sich selbst stabilisierende Zirkelkausalität.
Mitarbeiter und Führungskraft erziehen sich wechselseitig zu „Möhrchenspielen“ (Jahresgespräch, Zielvereinbarung, Stellenpan, Beförderung, Prämien usw.)

Ein stabiles System, dazu:

  • Gegenseitige Bestätigung auf dem richtigen Weg zu sein.
  • Hat lange gut funktioniert, etablierte Regelwerke die Erlernen und Folgsamkeit zuverlässig belohnen.Fast so zuverlässig wie Naturgesetze.
  • Munter wird Abteilungs- und Silodenken gepflegt.
  • Traditionspflege.
  • Abgrenzung statt Vernetzung.
  • Etwas Cargo-Cult mit Büromöbeln und Hardware.
  • Change-Projekte
  • Zentralisierung-Dezentralisierung-Zentralisierung Wellen.
  • usw.

Was tun, wenn man sich in so einem stabilen System wiederfindet, aber an der Zukunftsfähigkeit zweifelt!?

Wieviel Zeit und Energie investieren?

Wie stark ist man schon Teil dieses Zirkels geworden, ohne die Folgen selbst noch wahrzunehmen?

Viele Branchen und Unternehmen haben inzwischen leidvolle Erfahrung mit der Dynamik des Themas gemacht.

VUCA-Welt kommt nicht, sie ist schon da.

Die laufende digitale Transformation ist doch nicht nur ein Modewort der Unternehmensberater, sondern wirbelt wieder Erwarten real auch die eigene Nische durcheinander.
Natürlich auch die Sozialwirtschaft.

Hat man für sich erst mal den Eindruck gewonnen, auf einer zügig durch die Wellen pflügenden Titanic unterwegs zu sein, schwindet das Interesse an Dekoration und Buffet.
Die heroischen Auftritte des Brückenpersonals motivieren zu noch entschlossenerer Suche nach Wechselchancen.

Gar nicht so einfach, woran erkennt man die besseren Alternativen?

Die Begriffe verbrauchen sich so schnell zu Verkaufsfloskeln der Beraterzunft.

Hab ich eins vergessen? VUCA, agil, Augenhöhe… 😉

 

Peng oder Procastination (2)

So sieht die Glasabdeckung über der Kochmulde nach zu schnellem Schliessen aus.
Offensichtlich war eine Flamme doch nicht aus, sondern köchelte still und unerkannt vor sich hin.
Statt Wassertopf wurde nun aber die Abdeckung mit Wärme beglückt.
Beim Abwaschen machte es dann plötzlich Peng und statt Abstellplatz für Geschirr nun Glaspuzzle.
Nach dem Schreck erst Erleichterung, nix passiert.
Entsprechende Geschichten vom lauten Ableben vorzeitig geschlossener Abdeckungen waren aus einschlägigen Foren bekannt.
Also immerhin schnelle Kostenschätzung der Havarie möglich,
dämpft etwas den Ärger über die eigene Schusseligkeit.
Anschliessend grosses Glasteile-Sammeln und Putzaktion.
Der Akku vom Dyson war selbstverständlich gerade leer.
Aber es war ja genug Zeit zum Laden, Einsammeln von gleichmässig Inn der Einzimmerwohnung verteilten Bruchstücken, dauert.
Ohne Abdeckung schrumpft die Arbeitsfläche auf das Klappbrettchen neben dem Küchenblock. Auch für einen minimalistisch ausgerichteten Gelegenheitskoch etwas zu  bescheiden.
Der Fahrer sucht demnach jetzt mal eine Ersatzabdeckung.
Nein, Amazon bringt nicht Morgen, hier in Portugal.
Die Beschaffung des Dometic-Ersatzteils hier in Portugal wird wohl etwas mühsamer.
Was ein Glück, dass ich dass ich doch noch an der Algarve bin, hier gibt es neben den vielen Wohnmobilen auch Ersatzteile dazu.
Zettel aufarbeiten dann morgen.

Procastination (1)

Eigentlich wollte ich von der Küste zurück ins Inland fahren und endlich meine Notizen vom Oktober / November fertig machen.
Handschriftliche Notizen von einigen Veranstaltungen, die ich im Herbst besucht hatte. (PMCamp, ESSummit, Consozial)
Nach ein paar Wochen ist auch dem Schreiber nicht immer so klar,
was das Gekritzel auf Papier darstellen könnte und an was die Stichworte, wenn dann wiedererkannt, erinnern sollten. Es wird also langsam Zeit!
Aber auf dem Weg vom grossen Womo-Stellplatz am Fussballstadion fiel mir ein kleiner Parkplatz fast direkt am Strand auf. Fast leer.
Aus „nur mal angucken“ wurde eine Strandwanderung und anschliessend eine Runde mit dem Faltrad durch die Umgebung.
Nach ein paar hundert Metern Radweg nur noch Feldwege.
Die anderen Radfahrer waren mit Mountainbikes unterwegs, der Bromi-Fahrer schob dann halt öfter mal durch Sand und Schlammlöcher.
Schon praktisch, so ein Rad lässt sich nach Fahrfehlern einfach aus der Pfütze tragen.
Nicht so zickig wie der Jumper, wenn es mal etwas schwieriger wird.
Abends war dann auch die Motivation hinsichtlich „Zettel endlich ins Reine bringen“ müde.
Warmes Wetter, klarer Himmel und Sonnenuntergang am Strand gibt es ja auch nicht immer.

Strandläufer

Morgens am Strand
Irritation
Zügig am Strand von Lagos entlang marschierend von einem 70+ Paar in lockerem Lauf überholt werden.
Vor wenigen Sekunden noch zufrieden mit eigener Disziplin
(früher! kühler! Morgen)
und den Mitteilungen der Uhr (Puls, Dauer, kcal…) macht sich Zweifel breit.
Zu selbstzufrieden mit der eigenen Kondition, Strecke und Dauer pro Tag höher ansetzen!?
Beruhigung
Das Paar stoppt und geht sehr langsam weiter.
Der „lockere Lauf“ sind die 50 Meter Sprints zwischen den sehr langen Erholungsphasen.
Wenig später meldet auch die Uhr was von Tagesrekord.
Ende der Übung, wo ist das nächste Strandcaffee?

Schlammschlacht

Nur weil ich so eine interessante Statue auf einem fernen Hügel angucken wollte, bin ich spontan von meiner direkten Strecke Richtung Westen/Portugal abgewichen und auf eine Nebenstraße abgefahren.
Die französische SIM-Karte hatte inzwischen, wie erwartet,  den Betrieb in Spanien eingestellt und für die restliche Strecke nach Portugal schien mir die Papierkarte völlig ausrechend. Also kein Internet, um mal schnell nachzuschauen, was das da vorn wohl ist sondern,  hinfahren und angucken.
Also kurzer Einschub Touri-Programm, wir gucken uns was an und knipsen Fotos.
Wurde dann ein etwas längerer Ausflug.
Über die Nebenstrasse einfach Richtung Statue in der Ferne.
Wenig später führte diese Nebenstraße unter einer Autobahn hindurch. Die erste Unterführung erschien mir etwas schmal und war vollständig mit Regenwasser gefüllt. Jumper ist kein Expeditionsmobil, also weiter zur nächsten Unterführung.
Die war wesentlich breiter und nur einige Pfützen erinnerten an den nächtlichen Regen.
Eine dieser harmlosen Pfützen brachte Jumper recht abrupt zum stehen und sorgte für Frühsport.
Mit viel vorwärts/rückwärts Schaukelei, ausbuddeln der Antriebsräder und Zweige unterlegen bewegten wir uns langsam wieder zurück.
Zu langsam und vorsichtig, Jumper steckte im nächsten Tümpel fest.
Also Aussteigen, Buddeln, Einsteigen, Zentimeter weiter fahren, Aussteigen usw. Fahrer und Fahrzeug nahmen den Schlamm gut an.
Allradantrieb, mehr Bodenfreiheit standen nun auf der gefluchten Wunschliste für den nächsten fahrbaren Untersatz. Die Pfützen waren nicht tief, aber der Schlamm in dieser Unterführung klebt hervorragend.
Bei der späteren Beseitigung der Manöverfolgen aus Fahrerhaus und Klamotten brauchte es viel Wasser und Bürsteneinsatz.
Mit tatkräftiger Unterstützung eines vorbeikommenden freundlichen Spaniers und seinem verspielten Boxerhund, viel Kies und Sträuchern, wühlte sich Jumper irgendwann dann doch langsam rückwärts aus der Unterführung.
Der Boxer missverstand das Sammeln von Kies und Zweigen als neues Spiel und schleppte ein paar Zweige emsig wieder weg.
Der Spanier sprach so viel Englisch wie ich Spanisch, also Verständigung per Gestik und demonstrativem Vormachen/Nachmachen.
Dem mit eindrucksvoller Gestik vorgetragenen Vorschlag, mit viel Anlauf noch mal durch die Unterführung zu spurten, mochte ich in Kenntnis der bescheidenen Bodenfreiheit meiner rollenden Behausung nun aber doch nicht folgen.
Vorwärts ging es nur in längere Untiefen und das Interesse an der Statue war inzwischen bei Minus 5 angekommen.
Also brav rückwärts 2 Kilometer zur nächsten Wendemöglichkeit und dann direkt wieder auf die Autobahn.
Die nächste Anschaffung wird eine stabile große Schippe sein. Mit der kleinen Pflanzen-Schippe war es doch etwas mühsam ausreichend Material unter die Reifen zu kriegen.
Jetzt aber schnurstracks Richtung Portugal. ich hab erst mal wieder die Nase voll von solchen Abenteuern.
Nachtrag 25.11.2018
  1. Die gesichtete Statue interessierte erst wieder am nächsten Tag: https://de.wikipedia.org/wiki/Christus_von_Otero
  2. Die superschlaue Uhr meldete sich kurz nach Ende der Aktion mit dem Hinweis, dass ich an diesem Tage zu dieser Uhrzeit ungewöhnlich wenig Schritte absolviert hätte. Haha!!  Aber der grüne „Trainingsring“ lag gut in der Zeit.
  3. Den Sonntag Vormittag habe ich dann mit Schlamm schrubben verbracht.

grüne Männchen auf der Straße

Morgens, praktisch vor dem Aufstehen, direkt ins Zentrum von Bordeaux gefahren.

Prima leere Straßen und tatsächlich auch einen Parkplatz für meinen zierlichen Jumper gefunden.

Gegen 10 Uhr dann kleiner Rundgang durch Gassen und hereinströmende Einkäufermassen (Samstag!).

Nach 3 Stunden genug Altstadt, Kirchen und Stadtleben und auf den Weg Richtung Weingut im Norden der Stadt gestartet.

Navi behauptete 1 Stunde 10 Minuten, es wurden 3 Stunden.

Bei der ersten blockierten Brücke nach Westen war die vermutete Ursache noch Unfall oder Bauarbeiten.

Nach dem Ausflug zur nächsten Brücke, auch mit Stau, aber in Bewegung, ging es zunächst flott Richtung Norden und mit schwächeren Verkehr aufs freue Land.

Bis zu einem Kreisverkehr mit vielen Menschen in gelb-grünen Plastikwesten.

Volksfest? Karneval? hätte vielleicht doch mal im Reiseführer lesen sollen.

Die verteilten Flugblätter und angestrengt entschlossen blickende Plakatträger wiesen auf irgend einen Protest für oder gegen Macron hin. Soweit war auch mit null Französischkenntnissen zu verstehen.

Aber kein Verdi-Schick mit roten Fahnen, Trillerpfeife und Müllsack-Uniform zu sehen. Protest für oder gegen Umgehungsstraße war die nächste Vermutung.

Ich hatte Zeit, das Ziel war nur noch wenige Kilometer entfernt.

Dazu etwas Käse aus dem Kühlschrank und das frische Baguette vom Einkauf; auf dem IPad beginnt die Heute-Show vom Vorabend . Also im Jumper gute Stimmung.

Die Besatzung des einheimischen Audis, in der Schlange vor mir,  konnte der Situation weniger Positives abgewinnen.Plötzlich sprintet der Wagen zügig am Stau vorbei auf die Sperrkette der grünen Männchen zu, stopt, lautstarker Meinungsaustausch, dann Sprint im Rückwärtsgang zu einer Abzeigung und reifenquitschender Abgang über einen Feldweg.

Die oberflächliche Idylle der Protestveranstaltung bekam nun doch einen etwas angespannten Nebenton. Zwischen den stehenden PKWs rücken nun Motorradfahrer vor und meutern mit Hilfe aufjaulender Motoren.

Vor mir in der Reihe nun ein Wohnmobil mit spanischen Kennzeichen. Die Insassen nutzen die Zwangspause zum Gassigehen mit den Hunden.

Plötzlich wurde der Kreisverkehr von den Aktivisten frei gegeben.

Inzwischen hatte ich von zwei entrüsteten Damen erfahren, dass es um „Taxes“ geht ?!?

Die Hunde vom Vordermann sind wieder eingesammelt, es geht weiter.

Beim nächsten, mit grünen Aktivisten dekorierten Kreisverkehr, folgte ich sofort den zügig auf Nebenstraßen abbiegenden französischen Kennzeichen.

Am Zielort angekommen erst mal gegoogelt, worum es geht. In der Süddeutschen ( (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/frankreich-macron-protest-gilets-jaunes-1.4214095)einen erklärenden Artikel gefunden. In einschlägigen Reiseforen hätte ich gestern schon erfahren können, was für heute wo in Frankreich zu erwarten ist, hab ich aber nicht gelesen.

Zum Abschuss dann wieder mal den Fehler gemacht in den Kommentaren zu lesen.

Die Truppe „Merkel ist schuld/ die Flüchtlinge…“ ist schon fleißig dabei Spritpreise in Frankreich und Diesel-Fahrverbote in Deutschland mit ihren Retroutopien zu verkleistern.

bäh.