Autor: RolfL

Wette läuft…

13.5.2020 aus dem Logbuch es wird fleissig „gelockert“… so dolle sind die Alternativen nicht. Wirtschaft auf Monate in den Dornröschenschlaf schicken, bleibt auch nicht folgenlos. Die wirtschaftlichen Konsequenzen schlagen von Tag zu Tag deutlicher vom Konzern bis zur Pommesbude durch. Was irritierenderweise die Aktienkurse bisher nicht am Klettern hindert. Ähnlich munter wie die Börsen reagieren viele gelockerte Zeitgenossen. Völker hört die Signale, auf ins fröhliche Getümmel. Vermutlich hatten wir bisher sehr viel Glück, mit einer ausgebildeten, nüchternen Naturwissenschaftlerin an der Spitze und sehr schnell auf die italienischen Bilder reagierende Mitbürger. Aber nun braut sich aus merkwürdigen Demonstrationen , rivalisierenden Provinzfürsten und verunsicherten Mehrheiten eine politische Welle auf. Die Mediziner weisen leiser, aber sehr bestimmt, auf das schwelende Risiko hin. Volkswirtschaftler suchen schon die Krisenmodelle raus. Je nach Glaubensrichtung müssen jetzt Plan oder Markt ran. Dazwischen sinnieren gut versorgte Philosophen aus gemütlichen Studierstuben über edle Mässigung und ökologisch korrekten Konsumverzicht. Im Herbst/Winter rackern wir dann alle am „Wiederaufbau, immerhin ohne Ruinen“ oder jammern über einen perfekten Sturm aus zweiter Welle, kollabierendem Gesundheitssystem, Insolvenzen und leeren Kassen. …

Reisen bildet, irgendwie

20.4.2020 Die neuen Stellplatz-Nachbarn waren ein Paar aus Nordamerika und Skandinavien, mehrspachig, breite Allgemeinbildung und wirklich nette, sympathische Zeitgenossen. Man tauschte sich über Land und Leute aus, Tipps zu Routen und Alltagsproblemen beim Reisen.Wenn „Plastikflaschen aus dem Supermarkt“ oder „nach Chlor müffelndes Leitungswasser“ die Alternativen sind, beginnt man sich auch für Wasserfilter am Wohnmobil zu interessieren. Vom Chlor im Trinkwasser bewegte sich das Gespräch zu sonstigen Chemikalien im Trinkwasser, Stoffe die die Bevölkerung ruhig stellen sollen, Konzerne handeln mit Wasser, Wasserhandel, Kapitalismus, alles von Juden betrieben usw. Unterhält man sich mit neuen Nachbarn gleich über die Geschichte des dritten Weltkrieges? Nein, über einen kleinen Trinkwasserfilter kamen wir auf das Thema. Die sympathischen Nachbarn überraschten mit eigentümlichen Interpretation der Welt. Bei stiernackigen Stiefelträgern aus der (ost)deutschen Provinz, wäre ich bei den Bemerkungen zu Auschwitz, Weltjudentum und Ursachen des zweiten Weltkriegs nicht weiter überrascht gewesen.Aber unter diesen Umständen war ich mehr als überrascht. Alle mir bekannten, nennen wir sie mal Spezial-Theorien, wurden mir in den nächsten Tagen angetragen. Von der vorgetäuschten Mondlandung, Bilderberg-Verschwörung, Chemtrails, Gehirnstrahlen per Mobilfunk, …

Alles immer so negativ…

16.4.2020 nur eine Grippe Man möchte ja manchmal den beruhigenden Nachrichten einfach Glauben schenken. Nicht immer diese aufgeregten Alarmmeldungen. Eigentlich ist doch die ganze Aufregung etwas übertrieben. Überzogene Gegenmassnahmen usw. „ist ja nur eine Grippe“ oder grippaler Infekt. Aber dann erinnert der miesepetrige Verstand wieder an ein paar Lesezeichen von der Wochenendrecherche. Und da war ein sehr umfassender Kommentar aus Sicht eines Schweizers: «Eine gewöhnliche Grippe» Handelt es sich hier nur um «eine gewöhnliche Grippe», die jedes Jahr vorüberzieht und gegen die wir üblicherweise «nichts» unternehmen – oder um eine gefährliche Pandemie, welche rigide Massnahmen benötigt? Um diese Frage zu klären, muss man bestimmt keine Statistiker fragen, die noch nie einen Patienten gesehen haben. Die reine, statistische Beurteilung dieser Pandemie ist sowieso unmoralisch. Fragen muss man die Leute an der Front. Keiner meiner Kollegen – und ich natürlich auch nicht – und niemand vom Pflegepersonal kann sich erinnern, dass in den letzten 30 oder 40 Jahren folgende Zustände herrschten, nämlich dass: 1) ganze Kliniken mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose besitzen;2) ganze Intensivstationen …

Weltverschwörungen und Wunschdenken

15.4.2020 Normalerweise plätschern Nachrichten im Hintergrund an mir vorbei. Politikertreffen, Unfälle, irgendein Skandal der Woche, Wetter. Die übliche, konkrete Verbindung zwischen Nachrichtenebene und Handlungsebene kann die Kleidungswahl auf Grundlage des Wetterberichts sein. Bei Fehlentscheidung steht man ohne Regenjacke im Regen, mit Winterpullover im Sonnenschein oder sucht zu spät den Eiskratzer. Das Drama hält sich in Grenzen. Jetzt sind aber, verursacht durch ein zentrales Thema, ein paar wichtigere Entscheidungen auf Basis der aktuellen Nachrichten zu treffen. Die Spanne reicht vom „Nudel-Hamstereinkauf“ bis zur Wohnortwahl. (Eilige Rückreise) Nicht wenige Zeitgenossen sollten oder müssen sich schon jetzt, plötzlich und unerwartet, mit Insolvenzrecht und Förderbedingungen auseinandersetzen. Wirtschaftlich rollt da unübersehbar eine grössere Real-Wirtschaftskrise in Begleitung einer gigantischen Geldmengenexpansion heran. Daran würde auch eine überraschend schnell entwickelte Impfung oder sichere Behandlungsmethode wenig ändern. Passende Episoden in den Geschichtsbüchern beginnen kleiner und enden unfreundlich. Ignorieren oder einfach abwarten und aussitzen fällt diesmal wohl als Alternative aus. Hat man etwas Spielraum, bleibt Zeit für Entscheidungsvorbereitung auf Basis von Informationen… ja schön ordentlich läuft das ab in den Fachbüchern zu BWL und Risikomanagement …

Exponential-Funktion

6.4.2020 Braucht man das, muss man das kennen ?! Exponentielles Wachstum, ansteigende Kurven, Exponential-Funktionen und die merkwürdigen Geschichten mit Reiskörnern auf Schachbrettern oder dem plötzlich geschlossenen Seerosenteich? Mangelndes Verständnis von Addition und Subtraktion macht das Leben hier sehr schwer. Multiplikation und Division ist nicht unbedingt nötig, aber hilfreich. Zu bescheidenes Verständnis der Prozentrechnung bringt bei langfristigen Entscheidungen Verdruss und in Verbindung mit Zinsrechnung, gelegentlich die Erfahrung der Privatinsolvenz. Oder auch späten Frust mit der hoffnungsvoll abgeschlossenen Lebensversicherung. Es geht halt nicht immer so glatt wie bei dem alten Mathe-Witz. „Trifft der alte Mathelehrer einen seiner schwächsten ehemaligen Schüler und fragt, wie er den im Leben so klar gekommen sei. Der erzählt daraufhin von den kleinen Kisten, die er für 5 Euro kauft und 10 Euro verkauft. Mit den 5% Aufschlag käme er gut über die Runden, bemerkt der ehemalige Schüler nachdenklich.“ Viele Zeitgenossen kommen gut ohne Prozent-Verständnis gut durchs Leben. Wer hätte aber gedacht, wie gefährlich die weit verbreitete Unkenntnis von Exponentialfunktionen für ganze Gesellschaften werden kann?! Zinseszinsrechnungen entwickeln ihre Dynamik erst über Jahrzehnte. Lernt …