Estland
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Spiegelwand

17.8.2019

Die dritte angefahrene Stellplatzalternative ist jetzt so gut, dass ich ausserordentlich zufrieden ob der mäkeligen Ablehnung der vorangegangenen Alternativen bin.

Inzwischen in Estland. Auf dem Platz am Strand in der „lettischen Schweiz“ machte sich am Morgen das Wochenende bemerkbar. Feierfreudiges Publikum baute ein Partyzelt auf, Feuerholz fürs Grossgrillen wurde mit einem kleinen, aber lautstarken Trecker angeliefert und Bier in Mengen kaltgestellt. Zeit zum weiter ziehen.

Beim Auffüllen des Wassertanks noch ein interessantes, langes Gespräch über Glaubenssysteme, aktives Change-Management und agile Consulting-Ansätze geführt !!!???
Ja, schon interessant, was für Zufallsbekanntschaften man unerwartet an Logistik-Stationen macht.

Zurück zum neuen Stellplatz.
Nach verschmähten Platz am Ostssestrand (zu voll) und im Hafen (Plätze am Kai vergeben), führte es mich in eine Wohngebiet zwischen klassischen Holzhäusern.
Kein Durchgangsverkehr da praktisch Sackgasse und nahe Park und Strand.

Kaum eingeparkt, fällt mein Blick auf ein verspiegeltes Gartenhaus. Also keine zusammengeklebten Spiegelscherben-Sperrmüll-Bastel-Schrebergarten-Optik, eine ganze Fassade zwei grossen Spiegelflächen.

Kunstobjekt? Später mal googeln.
Erst mal Jacke, Rucksack, Schuhe für kleinen Rundgang klar machen.

Da tippeln zwei auffällig gestylte Frauen auf das kleine Haus zu, blond und brünett. Blond in bodenlangem Kleid und Highheels, Brünnet in kurzem Hosen und als Schuhwerk eine Mischung aus Sandale und Stiefel. Es gibt sicherlich einen Fachausdruck, gelegentlich mal googeln.

Aus einer Ahnung heraus habe ich gerade meine Umgebung per AirBnB gescannt und auf Anhieb das „exclusive Spiegelhaus“ gefunden.

Die Damen posen inzwischen vor der Spiegelwand.
Zuhause haben die mindestens einen grossen Spiegel, vermute ich.
Jetzt sind die Handys in vollem Einsatz.
Selfie zu zweit, einzeln, Bein frei Rock zur Seite, hoch, links, rechts, Handy hoch, tiefer, über die Schulter… hab inzwischen den Laptop zugeklappt und schaue zu.

Zwischendurch wird telefoniert und ein Anwohner befragt – der Vermieter ist offenbar nicht erreichbar.

Verlasse die Show und laufe die Erkundungsrunde zu Park und Strand. Bei meiner Rückkehr liegt das Spiegelhaus verlassen da.

Wenig später parkt hinter mir der blaue BMW ein. Diesmal wird zielstrebig in Begleitung polternder Rollkoffer das Haus angesteuert. Tür auf, Einzug, Tür zu, fertig!?

Nein, Vorstellung geht weiter. Eingang ist rechts von der Spiegelwand, Aussensitzgruppe ist links vom Haus. Es sind nun sehr viele Gänge zum Transport der Abendrequisiten nötig. Da muss man an der Spiegelwand vorbei und noch schnell mal kurz eine andere Pose testen.
Hab mein Sonnenrollo runtergezogen, sonst komm hier ich zu Nichts und lerne Voyeurismus schätzen.

Morgen guck ich mir mal die Spiegelwand aus der Nähe an und mach ein Foto von dem Zausel mit dem grünen Hut.

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