Jumper, Portugal
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Festparken

Nach dem Ausflug in den Alentejo und Monte Forca wieder zurück am Meer.
Obwohl die Algarve mir etwas überfüllt mit Wohnmobilen erscheint.
Mit entsprechenden Tunnelblick entdeckt man ständig zu grosse Ansammlungen von weissen Kunststoff-Containern mit Sat-Schüssel oben drauf.
Im Alentejo fühle ich mich in der Landschaft heimischer.
Aber drei Tage Wolken und kühler Wind in Monchique waren genug und haben mich dann doch wieder die knapp 70 km zurück an die Küste getrieben.
Am Meer sorgen merklich andere Luft, Brandung und Möwengekreische für grundlos gute Laune.
Am zweiten Tag bin ich zum Frühstücken direkt auf den Strandparkplatz an der Praia Faro gefahren und geblieben. Tagsüber eigentlich wenig vom Strandleben mitbekommen. Pauke Vokabeln für Andalusien und verfolge gerade recht hartnäckig das Ziel, einen kleinen Grundwortschatz präsent zu bekommen.
Vom rollenden „Strandhaus“ sind es nur nur ein paar Meter zum Strand, um den gequälten Kopf mit Seewind durchpusten zu lassen. Ohne Fremdspachentalent ist selbst ein Mini-Anfängerkurs eine mühsame Beschäftigung und fordert Motivationstricks.
Abends dann, bei ansichtskartenverdächtigem Sonnenuntergang, Wellenberge und eine unermüdliche Wellenreiterin bewundert.
Reinlaufen, aufspringen, platsch, Brett einfangen, reinlaufen, aufspringen, platsch…immer wieder.
Nachts rüttelten dann Windböen am Jumper und ein Blick aus dem Fenster informiert mich über erfolgreich den Parkplatz erreichende Wellen. Durch eine Lücke im Strandwall strömt reichlich Wasser auf den Parkplatz.
Dank Gefälle findet das Wasser auf der anderen Seite des Platzes schnell den Weg zurück ins Meer.
Fein, wir stehen ja auf einer Insel, aber der mitgespülte Sand bleibt liegen. Jumper steht immer noch auf festen Asphalt, aber nun in einem Sandfeld.
Was Neues, statt Festfahren nun mal Festparken.
Die Erfahrungen mit der bescheiden Bodenfreiheit meiner Behausung motivieren nun zu zügigem Standortwechsel. Natürlich will sich Jumper im ersten Anlauf kein Stück bewegen. Alle Räder fühlen sich in ihren Sandgruben wohl und möchten nicht geweckt werden. Nur rumdrehen und weiter dösen.
Nassen Sand schaufeln und nach entschiedenem vor-zurück-schaukeln mit unwillig jaulendem Diesel, erreichen wir nach nur wenigen Metern doch wieder festen Grund.
Mein Nachbar war vom nächtlichen Dieselgejaule offenbar nicht wach geworden.
Die Wellen überspülten nun schon an weiteren Stellen den Damm. Also klopfte ich mal vorsichtig an, um auf die veränderten Umweltbedingungen hinzuweisen.
Ein verschlafener Brite öffnete, schaute auf die Wellen, vertraute offensichtlich auf Bodenfreiheit und Allrad seines Pickups.
Mit der Ansage  „I m not afraid…“ ging er wieder schlafen.
Er ist dann auch morgens gut weg gekommen. Der SUV mit Aufsetzkabine pflügte sich mühelos aus der Pampe.
Etwas neidisch war ich da schon.

4 Kommentare

  1. Doris sagt

    Hach. Das braucht keine bebilderte Doku. Das ist anschaulich genug geschildert.
    Wenn du zurück in Berlin bist = 2020 schwatz ich dir mal Jumper für nen Frühjahrstrip ab. Dann weiß der ja alle Tricks und kann sich selbst befreien.
    Weiter so!

    • RolfL sagt

      wenn nur der Fahrer immer brav auf den Hauptstrassen bleiben würde…
      Vielleicht gibts beim nächsten Boxenstop etwas mehr Bodenfreiheit eingebaut.

  2. christa sagt

    lehrer würden sagen „sehr anschaulich beschrieben!!“
    aber echt sehr nett zu lesen

    • RolfL sagt

      leider versäume ich es immer wieder in solchen Situationen an den Einsatz meiner Ansichtsproduktionsgeräte zu denken. Wäre viel anschaulicher

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