TTT

26.9.2019 TTT

Nach Einbau von Ladebooster und Batterie-Computer hat sich die Versorgung mit Bordstrom so entspannt, dass sich der kritische Engpass verändert hat.

In der Vergangenheit hat eine überraschend schnell leere Stand-Batterie für ungewollte Aufbrüche von netten Stellplätzen geführt.
Auf der Baltikumtour war Strom kein Problem. Der Ladebooster hat die Ladezeiten der Standbatterie merklich verkürzt. Der neu eingebaute Batterie-Computer macht den aktuellen Verbrauch transparenter. Damit wird absehbarer, wann das Ende der Batterie-Ladung den Einsatz von Solarpanel oder Lichtmaschine fordert. Kein Vergleich zu der Standard-Anzeige mit den bunten Leuchtdioden. Wenn da die rote Leuchte angeht, ist es eigentlich schon zu spät.

Mit der Lösung eines Problems macht man Platz für ein Neues.

Neuer Engpass beim frei stehen ist nun die Toilettenkasette geworden. Dank der SOG-Anlage konnte der Chemie-Einsatz drastisch verringert werden. Aber insgesamt ist der Umgang mit der gesamten Anlage doch immer wieder unangenehm. Die Suche und Nutzung von Entsorgungsstellen mindestens wöchentlich (beim Single-Betrieb) sind eine bleibend üble Kombination aus lästig und eklig.

So kommt man dann zur TTT (Trocken-Trenn-Toilette)
Für grössere Wohnmobilen, Yachten und Ferienhäuser gibt es den Lösungsansatz Trennung von Fest und Flüssig mit anschließender Trocknung und Teilkompostierung der Feststoffe in eimem abgeschossenen Behälter. (Komposttoilette)

Erinnert zunächst an einfache Holzhäuschen mit Herz in der Tür und Grube drunter. Scheint aber mit elektrischer Entlüftung und Filtertechnik inzwischen auch gut in mobilen Behausungen zu funktionieren.

Vorteil gegenüber Kassetentoilette:

  • längere Entsorgungszyklen, mindesten < eine Woche
  • keine Chemie
  • komplett aus KFZ zu entfernen für Wartung/Entsorgung
  • geringerer Wasserverbrauch und Gewicht (Wasser/Abwasser)

Kastenwagen schienen mir für die Lösung zu klein.
Nach einigem Suchen im WWW finden sich dann doch ein paar geglückte Einbauten solcher Systeme bei Movinggrooving und Whatabus

Dort wurde jeweils eine Natures-Head verbaut.

Von Natures-Head zu Airhead

Vergleich

Nach Ausweitung der Recherche auf amerikanische Seiten und einigen Erfahrungsberichten auf YouTube bin ich dann noch auf die Airhead gestossen.
Auch kein Schnäppchen, bei knapp 1200 Euro für „3 Kunstoffbehälter und eine Kurbel“ denkt man schon mal an Eigenbau. Dafür braucht es aber Platz und in der Regel sind die Konstruktionen nur auf Trennen und Tütenwirtschaft ausgelegt.

Bei Amomout ist eine Eigenkonstruktion samt Rührwerk zu finden, in einer grossen Expeditionskabine.

Airhead gegenüber Natureshead:

  • Kompakter (kürzer, ragt nicht in Duschraum)
  • Entsorgung, Flüssigbehälter ohne Öffnen des Feststoffbehälters möglich
  • Sitz wechselbar
  • Lüfter an Fahrzeugwand verbaut statt am Behälter,

Nach x-mal Abmessungen und Zeichnungen kontrollieren nun bestellt, Einbau nächste Woche. Bin gespannt.

Ein paar Videos zu dem tollen Thema:

Vergleich airhead mit Natures Head

E122H

18.9.2019 Drevernos

Zum Frühstück grüsst die Heizung mit „E122H“ und nach Neustart mit „E212H“ auf dem Display.

Erste Vermutung, Gastank leer. Nachts war die Heizung angesprungen, es wird langsam herbstlich. Über den Sommer ist die Routine „regelmässige Kontrolle der Tankfüllung“ eingeschlafen. Kochen und Kühlschrank verbrauchen wenig Gas, da verliert die tägliche Betrachtung eines kaum veränderten Manometers im Gaskasten schnell die Spannung.

Kurische Nehrung

Doch die erste Vermutung mit dem Gasbestand als Ursache verträgt sich erst mal wenig mit der dampfenden Kaffeetasse vor mir, dem kochenden Wasser fürs Frühstücksei und dem laufenden Kühlschrank. Nur der angenehm warme Luftstrom unter der Sitzbank fehlt.

Die Liste mit den Fehlercode-Erläuterungen hängt entgegen guter Vorsätze immer noch nicht ausgedruckt im Ordner, muss erst im iPad gesucht werden. „Niedriger Gasdruck“ ist eine der angebotenen Ursachen.

Frühstücksunterbrechnung, Ausflug zur Hecktür, Gaskasten auf, Taschenlampe an, Gasfüllung bei 10%. Frühstück fällt heute sehr kurz aus, die nächste Gastanke findet die LPG-app 13 Kilometer weiter.

Alles Luxusprobleme. Auf dem nebenan liegenden Wikingerschiff gab es kein Dach, keine Heizung, Dusche, Frühstückseier und Morgenzeitung.

Mit neuer Tankfüllung verschwinden die Fehleranzeigen.

Wird heute eine Fahrtag Richtung Masuren. Per Luftlinie nicht weit weg, die russische Enklave muss umfahren werden.

Zur Unterhaltung des Fahrers Marc-Uwe Klings: Qualityland geladen.

Bildschirmrückseitenberater

14.9.2019 Riga

Kaum hat der neue, frisch montierte Scheibenwischer die erste Runde gedreht, strahlt mich eine Steinschlagdelle im Glas an.
Die erste Hoffnung „nur ein grosser Wassertropfen“, zerplatzt nach großzügigem Einsatz von Wischer und Waschdüsen.
Der Zufall hat die runde Delle genau im zentralen Sichtbereich des Fahrers plaziert, die mit Abstand nervigste Stelle der gesamten Windschutzscheibe.
Im Vergleich zu den Schlierspuren des gerade getauschten alten Wischers, war dies nun ein echtes Problem. Gibts hier sowas wie Carglas, wie kompliziert wird das mit der Versicherung, so ein Murx.

Die Suche nach dem neuen Wischer war schon nervig und nun dass.
Versuche im Supermarkt einen passenden Scheibenwischer für Jumper zu erstehen, waren mehrfach gescheitert. Die kleinen Teile für PKWs gibt’s, aber Jumper verlangt nach 64 cm Länge auf der Fahrerseite und hat natürlich einen abweichenden Befestigungsclip.

Heute nun entschlossen einen Autofachhandel angesteuert und dort an einen coolen Kundenberater geraten. Die Verständigung per Englisch klappt gut, aber die Fachkunde belastet den Kaufprozess.

Hinter dem breiten Beratungstresen habe ich schon ein grosses Bosch-Regal mit Wischern erspäht. Aber die Fachkraft möchte selbst im Computer suchen. Wiederhole meinen Vortrag über Citroën, Jumper, baugleich Ducato Kastenwagen usw.
Aber der Experte beharrt auf dem „Car-Passport“, ohne kann er nicht arbeiten.
Ok, er will selber suchen und braucht dazu wohl die Fahrzeug ID, vermutet der Laie. Kunde gibt nach, holt die Zulassung aus dem Schliesfach und beobachtet wie die Fachkraft nun intensiv die Tastatur bearbeitet.

Es dauert und mir fallen Erläuterungen von Gunther Dueck zur Berufsgruppe der Bildschirmrückseitenberater ein.

(Bildschirmrückseitenberatung als Internet-Ersatz (Daily Dueck 107, Januar 2010))


Eine Präsentation meiner Suchergebnisse zum Thema Jumper-Wischer auf dem iPad habe ich unterlassen. Spezialisten reagieren auf schlau gegoogelte Kunden manchmal bockig.
Es dauert, langsam interessiert mich die Suchstrategie. Tippt er die Fahrzeug-ID ein, sucht er nach Warengruppen oder Fahrzeugmarken?
Man weis es nicht, die Monitorrückseite hält dicht.

Irgendwie hat der Spezialist es geschafft bei der Sucharbeit den Hinweis auf den Begriff „Jumper“ zu ignorieren. Der nun, nach intensiver PC-Suche, aus dem oben erwähnten Bosch-Regal sorgfältig ausgesuchte Wischer passt laut Aufschrift an einen Citroën.
Citroën Picasso, vermutlich ein PKW.
Der Kunde brummt was von „I show you the original“, stapft raus, holt den ausgefransten Wischerarm vom Jumper und zeigt der Fachkraft den Befestigungsmechanismus. Ja, sieht etwas massiger aus, so im Vergleich zu dem Picasso Häkchen auf der angebotenen Schachtel.

Jetzt geht es etwas zügiger, es liegt auch etwas Spannung in der Luft, der Kunde nervt mit dem Vorschlag auf „simply for Jumper!“

Nach eifrigem Geklapper auf der Tastatur wird von einem weiteren Kollegen eine Schachtel mit dem gut lesbaren Hinweis auf „Citroën-Jumper“ aus dem Regal gezaubert.
Der nächste Regen kann kommen.

Schöne Überraschung beim nächsten Halt. Der Steinschlagkrater auf der Windschutzscheibe ist doch nur ein eingetrockneter Harztropfen.

(http://archiv.omnisophie.com/day_107.html)

im Sandkasten

Die geruhsame Fahrt durch den Nationalpark Coto de Doñana endete mit einem Offroad-Sprint.
Es begann mit einem kleinem Ausweichmanöver. Beim Umfahren einer kleinen Sandbarriere auf dem Weg pflügen sich Fahrer und Jumper in ein Sandloch.

Bei der zügigen Bewegungen von Fahrzeugen mit Geschwindigkeiten jenseits der Vernunftgrenze war geringe Bodenfreiheit immer sehr willkommen. Je tiefer je besser.

(10 cm schwebte mein Simca Ralley II über die Berliner Pflaster).  

Aber beim Manövrieren der aktuellen Behausung zwischen Schlaglöchern, Schlammpfützen und Sandhaufen wird jeder Zentimeter Bodenfreiheit gebraucht.So ändern sich die Prioritäten. Hätte jetzt gern 30-50 cm …


Durch kleine Sandfelder auf dem Weg kommt man mit Schwung und Drehmoment. Wenn aber Gewicht und Schwung auf ein etwas tieferes Sandfeld oder Schlammloch treffen, reduziert Jumper die wenigen Centimeter Bodenfreiheit in Sekunden auf 0. So bereitwillig der Diesel die Masse Auto und Inhalt die Hügel raufschleppt, so konsequent pflügt er sich bei Gelegenheit dann auch bis zu den Bodenblechen in den weichen Untergrund.
Befreiung dann durch fleissiges Freischippen, Fahrspur mit Kies oder Zweigen vorbereiten und dann mit Gas und Kupplung aus der Falle schaukeln. Immerhin kein Schlamm und die Schlammschlacht versprechenden Regenwolken ziehen folgenlos weiter.

Aber nach 4 Stunden Sand schippen, Äste unterschieben, vorwärts rückwärts schaukeln usw. war dann irgendwann klar; ohne fremde Hilfe bekommen wir diesmal die 3,5 Tonnen nicht wieder aus dieser Buddelkiste.

Rundum nur Kiefernwald und Sand. Kein Kies, kaum Zweige und die nächste Siedlung nach Karte 12 Kilometer entfernt.
Also per Handy Bergungsdienst per Handy für nächsten Tag organisieren und Übernachtung vorbereiten.
 

im Sandkasten

Manchmal hat man auch Glück auf einsamen Waldwegen.

Unverhofft kommt eine Gruppe von 3 kleinen Geländewagen vorbei. Die fröhliche Truppe junger Spanier vermittelt schnell den Eindruck: eine feine Gelegenheit für den Einsatz der technischen Ausrüstung.  
Einer der Kraftzwerge mit Allrad zog dann mit Schleppgurt und 3 Anläufen den Jumper rückwärts aus seinem Sandloch. Nun galt es vor der nächtlichen Schliessung der Tore einen Parkausgang zu finden. Für die Geländewagen haben die Tore weniger Bedeutung; es gibt genug freie Wege. Aber Jumper braucht strassenähnlichen Untergrund und weitere Tests der Geländegängigkeit waren für diesen Tag nicht vorgesehen. Darauf konnten wir uns in englisch-spanischer Kommunikation mit Gestenunterstützung schnell verständigen. 

Also ging es  in zügigem Tempo zum vermuteten offenen Parkausgang. An den Hüpfbewegungen des vorauspreschenden Jeeps war gut zu erkennen, wann Jumper besser mit Vollgas über die nächsten Fahrbahndellen fliegen oder besser nach Vollbremsung durchrumpeln sollte. Hat sehr viel Spass gemacht!.

  1. Kein (erwarteter) Bruch beim Geschirr
  2. ein Regalgestell musste am nächsten Tag wieder komplett zusammengesetzt werden. 
  3. Auf der Bucket-List steht jetzt „Touren mit leichtem Offroad-Fahrzeug “.

Irgendwann haben wir dann einen offenen Ausgang gefunden und pflegen nun den Muskelkater vom Schippen.

P0299, erledigt.

Er brummt wieder brav die Hügel und Berge hoch.
Der Fehler P0299, „Saugluftdruck zu niedrig“, wurde letztlich durch Tausch eines Luftstromsensors repariert.
Die Tournee durch 3 Fachwerkstätten endete bei einem Boschdienst. Statt den kompletten Turbolader „in den nächsten Wochen“ zu ersetzen, Lösungsansatz Citrön, wurde innerhalb einer Woche ein Sensor bestellt und getauscht.

Hatte mich mental und ökonomisch schon auf einen Tausch des Turboladers eingestellt. Mit dann nur etwa 10 % der erwarteten Kosten, ist die Stimmung sehr aufgehellt.

Jumper brummt jetzt wieder brav die Steigungen rauf. Statt konzentrierter Schalterei im optimalen Drehzahlbereich, einfach wieder Tempomat einschalten und rollen lassen. Mit dem kaputten Sensor ging es nur zwischen 2000 und 2500 RPM voran. In der Ebene kein Problem, aber z.Bsp. auf der Strecken von Malaga nach Ronda kriecht man da auch mal mit 30 km/h und Warnblinker die Hügel rauf.

Kaum läuft der Antrieb wieder normal, drängen die Abmessungen wieder in die Aufmerksamkeit. Die Anfahrt auf den nett gelegenen Übernachtungsplatz oberhalb von Antequera wurde in einem Forum als „etwas kniffelig mit einem Anhänger“ beschrieben. Na dann kann es ohne Anfänger kaum Probleme geben, wiederholte ich mir immer wieder, als wir uns dann mit angeklappten Rückspiegeln durch enge Durchfahrten zwängten.

Der Platz, gleich unterhalb der zu besichtigenden Festung und oberhalb der verwinkelten Altstadt war dann wirklich nett. Ruhig, schöne Aussicht und kaum Nachbarschaft.

Die potentielle Nachbarschaft war in Parkbuchten am Sportplatz am Rande der Stadt versammelt.
Nun war die Vermutung, wir haben einfach die kürzeste, aber auch ungünstig enge Zufahrt von rechts erwischt. Der Parkplatz hat ja zwei Zugänge. Nach Besichtigung von Festung und Altstadt einfach und entspannt den anderen Weg nach links, scheinbar direkt zur Stadtgrenze rausfahren.

Die breite Strasse abwärts, aus Google-Vogelschau eine wirklich breite Strasse, ist eine Treppe.

Prima für Mountain-Bikes, nix für Jumper. Die kleine unscheinbare, steile Gasse, mit Handlauf für Fussgänger an der Seite, ist die einzige Verbindung zur Hauptstrasse. Auch Susi behauptet, dies sei eine Strasse.

Spiegel einklappen, mit Kriechgang und Bremse ganz langsam abwärts.

Da wäre ich nie hochgefahren!

Anschliessend an einer der Talsperren das Wochenende mit konzentriertem Nix-Tun verbracht.