„Unsterblichkeitsprojekte“ nach Ernest Becker

„Um also unsere Angst vor dem unvermeidlichen Verlust unseres körperlichen Ichs zu kompensieren, versuchen wir, ein unsterbliches begriffliches Ich aufzubauen. Deshalb ist es Menschen so wichtig, ihren Namen auf Gebäuden, auf Denkmälern oder auf Buchrücken verewigt zu sehen. Deshalb fühlen wir uns verpflichtet, so viel unserer Zeit anderen zu widmen, insbesondere Kindern, in der Hoffnung dass unser Einfluss – also unser begriffliches Ich – unser körperliches Ich überdauern wird. Wir wünschen uns, dass man sich an uns erinnert, wir verehrt oder vergöttert werden, auch wenn unser körperliches Ich schon längst nicht mehr existiert. Becker bezeichnetet diese Anstrengungen als unsere »Unsterblichkeitsprojekte«, Projekte, die unserem begrifflichen Ich ein Weiterleben nach dem körperlichen Tod erlaubten.“

Mark Manson: Die subtile Kunst des drauf Scheissens. 2017 S.210

„woher kommt der Reichtum her“ (Wilson, 1983)

„Wo kommt der Reichtum her? Wenn man orthodoxen Wissenschaftlern glauben will, stammt er aus Land, Arbeit und Kapital. Die Marxisten hingegen behaupten, dass er nur mit Hilfe von Land und Arbeit erreicht wird und der Kapitalist ein Dieb ist, der ein künstliches Buchhaltungssystem in den Prozess hineingetragen hat. Beide haben Unrecht. Land und Arbeit allein, aber auch Land, Arbeit und Kapital können nicht neuen Reichtum produzieren, wenn man von der falschen Idee ausginge, Öl ausgerechnet da zu suchen, wo es kein Öl gibt. Die wirkliche Quelle neuen Reichtums sind die richtigen Ideen: brauchbare Ideen, d.h. negative Entropie oder Information. Der Ursprung solcher kohärenten (brauchbaren) Ideen ist das menschliche Nervensystem. Reichtum wird erst dadurch ermöglicht, dass menschliche Wesen ihre intelligenten Neuronen benutzen. (…) Der Buddhist weiß, dass das Gehirn all das produziert, was wir erfahren – all unsere Schmerzen und Sorgen, all unsere Wonnen und Ekstasen, unseren höheren evolutionären Durchblick und die zeitüberschreitenden Erlebnisse höchster Verzückung. Und auch im materialistisch-ökonomischen Sinne ist das Gehirn der größte Schatz im Universums: es produziert all die Ideen, die, wenn sie sozial angewendet werden, zu größerem Reichtum führen: Strassen, wissenschaftliche Gesetze, Kalender, Fabriken, Computer, lebensrettende Medikamente, Ochsenkarren, Autos, Düsenflugzeuge, Raumschiffe …“

Der neue Promotheus – Robert Anton Wilson 1983

gefunden bei Patrick Breitenbach

Lesebemühungen mit Kindle und Hörbuch

Nach einigem Hin und Her hab ich nun doch das Buch „The Art of Travel“ in der englischen Version in meine Sammlung geholt und dazu das Hörbuch.

Nun kann also den gehörten (und korrekt ausgesprochenen) Text direkt im Buch verfolgen. Bei Vokabelproblemen lassen sich Übersetzungen einblenden. Also ständiges Stop & Go.

Mit der Erinnerung an die mehrfach gelesene deutsche Version des Textes im Hintergrund eine ganz neue Leseerfahrung. Bin mir aber noch nicht sicher, ob ich diese Erfahrung ausbauen möchte.

Aber mal abgesehen von diesen Problemen mit der Sprachkompetenz;

es  sind doch fantastische Möglichkeiten.

Da vergisst man eines seiner Lieblingsbücher zuhause auf dem Sessel und kann sich den Text auf die Lesegeräte irgendwohin weit weg im Grünen zum lesen ranholen.

Art of Travel

Das lange gesuchte Zitat zur Illusion vom einfachen Leben bei Betrachtung betont einfacher, schlichter Wohnbauten war in einem ganz anderen Buch.
Immerhin,  der Autor stimmt: Alain de Botton.
Seit vielen Jahren lese ich immer mal wieder in diesem Buch übers Reisen. Das Abarbeiten von Sehenswürdigkeiten beim Besuch fremder Orte, eine Tradition mit enormer Sogwirkung, hat mich schon bei ersten Reisen irgendwie angeödet. Ich  konnte mir aber nie so plausibel erklären, was genau diesen Verdruss auslöste.
In „Kunst des Reisens“ fand ich damals, etwa 2004, eine Menge Ansätze um die Frustfallen hektischer Reiserei zu bewältigen.
Und, nicht zu unterschätzen, die beruhigende Erkenntnis, es geht nicht nur mir so.
Nun befinde ich mich auf der bisher längsten Reise meines Lebens und hab mein Reiselehrbuch nicht dabei, Klasse!
Letzte Woche, beim Berlinausflug, waren die Markierungen schnell wieder gefunden, aber jetzt liegt das Buch dort auf dem Sessel, einfach vergessen einzupacken.
Kein Problem, Amazon ansteuern und die elektronische Version suchen.
Gibts aber nicht, nur das Orginal in Englisch.
Die Beschäftigung mit den Gedankensprüngen und Assoziationen dieses Autors ist für mich in deutsch ausreichend komplex; in englisch wird das  zu mühsam und langsam.
Damals, etwa 2002, war Alain de Botton noch nicht so bekannt dass jede Neuerscheinung auch gleich ins Deutsche übersetzt wurde.
Aber bei der Suche fand sich dann der Film der mal zum Buch produziert wurde.
Auf YouTube in voller Länge, auch englisch aber doch gut verständlich.
Alain de Botton: The Art of Travel:
https://youtu.be/kETN114A4IE
(keine Ahnung wieso hier nun nicht das Video eingeblendet wird!? )
Im Film kommt die Passage mit der Faszination der einfachen, schnörkellosen Architektur nur indirekt vor. Der Autor radelt mit zwei jungen Frauen durch niederländische Strassen und bewundert die Wohnhäuser mit den klaren Fassaden.
Höre mir jetzt mal in die englische Hörbuchfassung rein, vielleicht gehts ja doch.