Allgemein, Jumper, Lettland
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Bildschirmrückseitenberater

14.9.2019 Riga

Kaum hat der neue, frisch montierte Scheibenwischer die erste Runde gedreht, strahlt mich eine Steinschlagdelle im Glas an.
Die erste Hoffnung „nur ein grosser Wassertropfen“, zerplatzt nach großzügigem Einsatz von Wischer und Waschdüsen.
Der Zufall hat die runde Delle genau im zentralen Sichtbereich des Fahrers plaziert, die mit Abstand nervigste Stelle der gesamten Windschutzscheibe.
Im Vergleich zu den Schlierspuren des gerade getauschten alten Wischers, war dies nun ein echtes Problem. Gibts hier sowas wie Carglas, wie kompliziert wird das mit der Versicherung, so ein Murx.

Die Suche nach dem neuen Wischer war schon nervig und nun dass.
Versuche im Supermarkt einen passenden Scheibenwischer für Jumper zu erstehen, waren mehrfach gescheitert. Die kleinen Teile für PKWs gibt’s, aber Jumper verlangt nach 64 cm Länge auf der Fahrerseite und hat natürlich einen abweichenden Befestigungsclip.

Heute nun entschlossen einen Autofachhandel angesteuert und dort an einen coolen Kundenberater geraten. Die Verständigung per Englisch klappt gut, aber die Fachkunde belastet den Kaufprozess.

Hinter dem breiten Beratungstresen habe ich schon ein grosses Bosch-Regal mit Wischern erspäht. Aber die Fachkraft möchte selbst im Computer suchen. Wiederhole meinen Vortrag über Citroën, Jumper, baugleich Ducato Kastenwagen usw.
Aber der Experte beharrt auf dem „Car-Passport“, ohne kann er nicht arbeiten.
Ok, er will selber suchen und braucht dazu wohl die Fahrzeug ID, vermutet der Laie. Kunde gibt nach, holt die Zulassung aus dem Schliesfach und beobachtet wie die Fachkraft nun intensiv die Tastatur bearbeitet.

Es dauert und mir fallen Erläuterungen von Gunther Dueck zur Berufsgruppe der Bildschirmrückseitenberater ein.

(Bildschirmrückseitenberatung als Internet-Ersatz (Daily Dueck 107, Januar 2010))


Eine Präsentation meiner Suchergebnisse zum Thema Jumper-Wischer auf dem iPad habe ich unterlassen. Spezialisten reagieren auf schlau gegoogelte Kunden manchmal bockig.
Es dauert, langsam interessiert mich die Suchstrategie. Tippt er die Fahrzeug-ID ein, sucht er nach Warengruppen oder Fahrzeugmarken?
Man weis es nicht, die Monitorrückseite hält dicht.

Irgendwie hat der Spezialist es geschafft bei der Sucharbeit den Hinweis auf den Begriff „Jumper“ zu ignorieren. Der nun, nach intensiver PC-Suche, aus dem oben erwähnten Bosch-Regal sorgfältig ausgesuchte Wischer passt laut Aufschrift an einen Citroën.
Citroën Picasso, vermutlich ein PKW.
Der Kunde brummt was von „I show you the original“, stapft raus, holt den ausgefransten Wischerarm vom Jumper und zeigt der Fachkraft den Befestigungsmechanismus. Ja, sieht etwas massiger aus, so im Vergleich zu dem Picasso Häkchen auf der angebotenen Schachtel.

Jetzt geht es etwas zügiger, es liegt auch etwas Spannung in der Luft, der Kunde nervt mit dem Vorschlag auf „simply for Jumper!“

Nach eifrigem Geklapper auf der Tastatur wird von einem weiteren Kollegen eine Schachtel mit dem gut lesbaren Hinweis auf „Citroën-Jumper“ aus dem Regal gezaubert.
Der nächste Regen kann kommen.

Schöne Überraschung beim nächsten Halt. Der Steinschlagkrater auf der Windschutzscheibe ist doch nur ein eingetrockneter Harztropfen.

(http://archiv.omnisophie.com/day_107.html)

2 Kommentare

    • RolfL sagt

      und gestern, 150 km weiter südlich von Riga, strahlt mich in einem großen Supermarkt eine Sammlung Scheibenwischern in allen Größen an. Ein paar Euro günstiger natürlich auch noch.

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