Sozialwirtschaft, Transformation
Schreibe einen Kommentar

auf einer Titanic?!

Bei Ideequadrat  bin ich morgens über das folgende Zitat gestolpert und hab mir anschliessend die zugehörige Podcastfolge aufs Handy gezogen.

Dann hat hat mich das Thema fast die gesamte morgendliche Wanderung an den Klippen bei Aljezur begleitet.

Also das  Zitat:

Die Praxis zeigt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus agile Unternehmenskulturen suchen. Viele Menschen sind allerdings auch so sozialisiert, dass sie in bestehenden Handlungsroutinen stecken bleiben. Sie erwarten, dass Führungskräfte für sie Entscheidungen treffen und meinen, dass funktionierendes unternehmerisches Handeln fixe Pläne und genaue Kontrolle braucht.

(Wolfgang Grilz: Wie stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum agilen Unternehmen? Erschienen in Trigon Themen 01/2018)

Ja, die Landschaft ist auch sehr schön, aber längeres durch den Sand Stapfen verleitet auch zu geduldigem Podcasthören. Die angepeilte Landzunge habe ich auch erreicht.

Also, kommt mir bekannt vor, diese Praxis habe ich auch wiederholt erlebt.

Gleichzeitig kollidierte diese persönliche, höchst subjektive Einschätzung mancher Episoden des Arbeitsalltags immer mal wieder mit der optimistischen Kongress- und Fortbildungswelt.

die X-Y-Theorie

Bei Veranstaltungen zur Weiterentwicklung der Arbeitswelt (die mit dem aktuellen Schlagwortzoo agil, New Work, SCRUM, Augenhöhe usw.) kommt seit ein paar Jahren das Spiel mit den X und Y Typen.

Läuft so ab, der Referent/Trainer befragt die Gemeinde zur persönlichen Zuordnung in die Motivationstypen X und Y.

Anschliessend Einschätzung der Mitarbeiter/Kollegen/Untergebenen/Genossen.Ergebnis: Die Anwesenden rechnen sich erwartungsgemäss selbst zur Abteilung „intrinsisch motiviert“, also Typ Y und die gerade abwesenden Mitmenschen zur Gruppe X. Die brauchen Belohnung und Bestrafung um in Bewegung zu kommen oder zu bleiben.

Lernziel erreicht:
Unterschied Eigen- und Fremdwahrnehmung, Prozentrechnung… das grosse Missverständnis: wir alle wollen doch so gern ständig selbstmotiviert Arbeiten.

Klasse, kollidiert nur zügig und regelmässig wieder mit obiger Praxiserfahrung im Alltag.

Sicher kein Naturgesetz, möglicherweise aber eine sich selbst stabilisierende Zirkelkausalität!?
Mitarbeiter und Führungskraft erziehen sich wechselseitig zu „Möhrchenspielen“ (Jahresgespräch, Zielvereinbarung, Stellenpan, Beförderung, Prämien usw.)

Ein stabiles System, dazu:

  1. gegenseitige Bestätigung auf dem richtigen Weg zu sein
  2. Hat lange gut funktioniert, etablierte Regelwerke die Erlernen und Folgsamkeit zuverlässig belohnen. Fast so zuverlässig wie Naturgesetze.
  3. Munter wird Abteilungs- und Silodenken gepflegt.
  4. Traditionspflege.
  5. Abgrenzung statt Vernetzung.
  6. Etwas Cargo-Cult mit Büromöbeln und Hardware.
  7. Change-Projekte
  8. Zentralisierung-Dezentralisierung-Zentralisierung Wellen.

USW.

  • Was tun, wenn man sich in so einem stabilen System wiederfindet, aber an dessen Zukunftsfähigkeit zweifelt!?
  • Wieviel Zeit und Energie ist man bereit selbst noch zu investieren?
  • Wie stark ist man schon Teil dieses Zirkels geworden, ohne die Folgen selbst noch ausreichend wahrzunehmen?

Viele Branchen und Unternehmen haben inzwischen leidvolle Erfahrung mit der Dynamik des Themas gemacht.

DIE VUCA-Welt kommt nicht, sie ist schon da.

Die laufende digitale Transformation ist doch nicht nur ein Modewort der Unternehmensberater, sondern wirbelt wieder Erwarten real auch die eigene Nische durcheinander.
Natürlich auch die Sozialwirtschaft.

Hat man für sich erst mal den Eindruck gewonnen, auf einer zügig durch die Wellen pflügenden Titanic unterwegs zu sein, schwindet das Interesse an Dekoration und Buffet.
Die heroischen Auftritte des Brückenpersonals motivieren zu noch entschlossenerer Suche nach Wechselchancen.

Gar nicht so einfach, woran erkennt man die besseren Alternativen?

Die Begriffe verbrauchen sich so schnell zu Verkaufsfloskeln der Beraterzunft.

Hab ich eins vergessen? VUCA, agil, Augenhöhe… 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.